Angsterkrankung: Behandlungsmöglichkeiten

Teil 1: Symptome und Diagnose

Teil 2: Ursachen

Für die Behandlung einer Angsterkrankung werden verschiedene Therapiemöglichkeiten verwendet. In den vergangenen Jahren wurden durch die Kombination von Forschung und klinischem Alltag deutliche Erfolge in der Behandlung von Angsterkrankung erzielt. Die überzeugendsten Ergebnisse in Wirkungsstudien fanden sich durch die Verknüpfung von psychotherapeutischen Massnahmen und Medikamenten.

Für eine erfolgreiche Behandlung eines Patienten ist es von grosser Wichtigkeit, dass das vorliegende Krankheitsbild umfassend abgeklärt wird. Nachdem die Diagnose einer Angsterkrankung gestellt wurde, werden gemeinsam mögliche Behandlungsoptionen und das weitere Vorgehen besprochen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte verschiedener Elemente einer Angsterkrankungstherapie erläutert.

Psychotherapie
In wissenschaftlichen Studien zur psychotherapeutischen Wirksamkeit erzielte die kognitive Verhaltenstherapie die zuverlässigsten Ergebnisse. Diese Therapieform konfrontiert die betroffene Person direkt mit den eigenen Ängsten.

Die Konfrontation kann in zwei Formen ablaufen:

  • Reizüberflutung: Unter der Reizüberflutung, auch Flooding genannt, versteht man die intensive und langanhaltende Konfrontation mit der angstauslösenden Situation – immer in Begleitung des psychotherapeutischen Fachpersonals. Die betroffene Person erlebt in der Situation dabei die Angst sehr ausgeprägt, bemerkt aber mit der Zeit, dass die Angst von selbst nachlässt. Diese Erfahrung ist für die Person sehr wichtig. Für eine solche Reizüberflutung ist eine gute Planung mit ausreichender Vorbesprechung notwendig. Die Reizüberflutung erweist sich als wirksames Element in der Therapie von Angsterkrankung. Oft wird jedoch die systematische Desensibilisierung durchgeführt.

  • Systematische Desensibilisierung: Auch bei dieser Therapieform wird die betroffene Person mit dem Angstreiz konfrontiert. Der Patient erstellt jedoch im vornherein eine Angsthierarchie. Daraufhin werden  angstantagonistischer Verfahren, wie z.B. die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson eingeübt. In der Folge wird die Person Stufenweise konfrontiert mit der angstauslösenden Situation /dem angstauslösenden Objekt;  primär „in sensu“ (in der Imagination), später oft auch „in vivo“ (in der realen Situation). So werden zum Beispiel bei der niedrigsten Stufe Reize gewählt, welche nur wenig Angst auslösen. Anschliessend werden sukzessiv angstauslösendere Reize gewählt, bis zur höchsten Stufe, welche der eigentliche Angstreiz ist. 

Psychoanalytische Psychotherapieverfahren können zur Behandlung von Angsterkrankungen verwendet werden. In der Psychoanalyse geht die Angst auf einen unbewussten Konflikt zurück. Dieser Konflikt wird in den Therapiesitzungen «aufgedeckt» und durchgearbeitet. So soll die Angstsymptomatik bewusst überflüssig und so zum Verschwinden gebracht werden.

Medikamente
Eine medikamentöse Therapie sollte dann erfolgen, wenn eine mittelschwere bis schwere Beeinträchtigung besteht und die Psychotherapie allein nicht realisierbar ist oder nicht die gewünschte Wirkung erbracht hat.

Antidepressiva (zB. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI)  werden bevorzugt eingesetzt. Wegen der Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung erfordert die Behandlung mit Benzodiazepinen eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung.

Weitere Substanzen wie Antikonvulsiva, Betablocker oder auch pflanzliche Wirkstoffe können individuell bei bestimmten Angstformen eingesetzt werden.

Andere Therapieformen
Zusätzlich zu der klassischen Angsterkrankungstherapie – Psychotherapie und Medikamente – können noch andere Elemente gewählt werden. Mit Hilfe von sportlicher Aktivität können Angstsymptome eingedämmt werden. Sport ergänzt dabei die psychotherapeutischen Massnahmen - kann diese jedoch nicht ersetzen. Als schwierig zeigen kann sich dabei die Aktivierung zur Bewegung von Angstpatienten. Dies kann durch eine motivierende Gesprächsführung erreicht werden.

Weiter kann eine Selbsthilfegruppe als Ergänzung zur Psychotherapie dienen. Betroffene unterstützen sich dabei gegenseitig mit Hilfe ihrer Erfahrung und kann so die Erfolge einer abgeschlossenen Behandlung sichern.

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