Angsterkrankung: Geschichte einer Patientin

Seit mehreren Wochen ist Sibylle* in der Clienia Privatklinik Schlössli in Behandlung. Nun schmiedet sie auch wieder Pläne.

„Am Schluss lag ich nur noch zuhause, konnte keine Sekunde allein sein und habe nächtelang geweint“, erzählt Sibylle*. „Ständig habe ich mir vorgestellt, ich würde sterben oder es würde mir etwas Schlimmes zustossen.“ Wer der freundlichen jungen Frau gegenüber sitzt, kann sich das kaum vorstellen. Sibylle leidet an einer Angsterkrankung, verbunden mit Depressionen und Erschöpfung. Sie wird auf einer Privatstation für Stressfolgeerkrankungen in der Clienia Privatklinik Schlössli behandelt. Nicht nur für ihr Umfeld kam die Erkrankung überraschend, hatte sie doch immer als unternehmungslustig und belastbar gegolten, sondern auch für sie selbst. „Ständig hatte ich Kopfweh, mir war schwindlig, mir war übel, mein Herz raste“, fasst sie zusammen, „aber ich wollte nicht wahrhaben, dass es sich um ein psychisches Problem handelt. Lieber suchte ich Rat beim Hausarzt, bei Fachpersonen für körperliche Erkrankungen, die mir alle versicherten, ich sei gesund.“
Die erste Panikattacke erlitt Sibylle nach einem operativen Eingriff. „Die Schwere der Diagnose hat man mir erst danach mitgeteilt. Ich war eigentlich wieder geheilt, aber es war ein Schock. Kurz darauf habe ich zum ersten Mal entsetzliche Panik bekommen.“ Zurück im Beruf, spürte die Pflegefachfrau, dass sie nicht mehr so belastbar war wie vorher. Eine grosse Reise, auf die sie sich sehr gefreut hatte, musste sie abbrechen aufgrund der wiederkehrenden Angstzustände. Wieder zuhause, schränkten die Panikattacken ihren Alltag immer stärker ein. „Ich ging nicht allein aus dem Haus, nicht einkaufen, benutzte keinen Bus oder Zug mehr“, führt sie aus, „ich habe es auch nicht ertragen, allein zuhause zu sein. Ich hatte immer und ununterbrochen Angst.“ Hinzu kamen die „Angst vor der Angst“ und das Gefühl, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren, wenn sie ihre Panik nicht unterdrücken könnte.
Sibylle suchte Hilfe bei einer Psychologin. Doch die ambulante Therapie war nicht effizient genug. Im Zustand absoluter Erschöpfung entschied sie sich für die Behandlung in der Klinik. „Das Schlössli kannte ich, und es war mir empfohlen worden“, begründet sie ihre Wahl. Die vergangenen Wochen haben sie einen grossen Schritt vorangebracht: „Meine innere Unruhe ist schwächer geworden. Ich entwickle Strategien, um mit der Angst umzugehen. Neben den Gesprächen mit der Psychologin helfen mir auch die pflegerische Bezugsperson und die Gruppenangebote wie Stressreduktion und Schematherapie. Zudem versuche ich, körperlich fitter zu werden.“ Noch vermeidet Sibylle Situationen, vor denen sie sich fürchtet, aber langsam beginnt sie sich zu exponieren. „Ich gehe allein spazieren, wenn auch nur ganz kurze Runden. Am Anfang war das schrecklich, aber es wird tatsächlich einfacher. Noch während ich in der Klinik bin, möchte ich versuchen, allein mit dem Zug nachhause zu fahren oder einmal eine Stunde allein zuhause zu sein.“ Für ihr Behandlungsteam findet sie nur lobende Worte: „Ich bin überzeugt, dass hier alle einen sehr guten Job leisten. Sie haben immer ein offenes Ohr für mich. Sie sind Profis, die das nicht zum ersten Mal miterleben, und sie wissen, wie sie mir helfen können.“ Sibylles Umfeld freut sich mit ihr über die positive Entwicklung. „Die Familie leidet bei solchen Dingen sehr mit“, sagt sie, „aber jetzt sind sie auch stolz auf mich.“ Und ganz langsam beginnt die junge Frau, Pläne zu schmieden für die Zeit nach ihrem Austritt.

* Name geändert

Teil 1: Angsterkrankung: Symptome und Diagnose
Teil 2: Angsterkrankung: Ursachen und Verlauf
Teil 3: Angsterkrankung: Behandlung

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