Angsterkrankung: Ursachen

Angsterkrankung: Ursachen

Teil 1: Symptome und Diagnosen

Wie häufig bei psychischen Störungen sind die Ursachen von Angsterkrankungen nicht vollumfänglich und eindeutig bekannt. Ob sich eine Angstreaktion in krankhafterweise äussert, hängt von diversen Faktoren ab. Wie bereits in Teil 1: Symptome und Diagnosen beschrieben, haben Ängste einen natürlichen Ursprung. Angst löst in Lebewesen körperliche Reaktionen aus, welche dem Überleben eines Organismus dienen. Jedoch kann durch das Zusammenwirken von verschiedenen psychischen, biologischen und genetischen Faktoren die Angst krankhaft werden und so die Lebensqualität des Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte der diversen Sichtweisen erklärt.

Psychische Ursachen einer Angststörung
An einer Entwicklung von Angsterkrankungen können mehrere verschiedene Faktoren beteiligt sein. In der klinischen Psychologie wird häufig das Vulnerabilitäts-Stress-Modell verwendet. Dabei wird die individuelle Anfälligkeit an einer psychischen Störung zu erkranken als Vulnerabilität bezeichnet. Diese kann durch die genetische Veranlagung, aber auch durch lebensgeschichtliche Erfahrungen wie zum Beispiel erlebte Traumata beeinflusst werden. Ist die Vulnerabilität einer Person erhöht, kann bereits eine geringe Belastung zu einer psychischen Störung führen. Der Krankheitsausbruch wird dabei von diversen Risiko- aber auch von Schutzfaktoren beeinflusst. Dieses Modell berücksichtigt und verbindet verschiedene biologische und psychologische Faktoren mit schädigenden oder förderlichen Einflüssen.

Je nach psychotherapeutischer Ausrichtung werden verschiedene Ursachen genannt.

Gemäss lerntheoretischer Theorie entsteht die Angst durch die Verknüpfung von einem ursprünglich neutralen Stimulus, welcher aber in einer angstauslösenden Situation erscheint. Die betroffene Person verbindet die Erregung der angstauslösenden Situation mit dem eigentlich harmlosen Stimulus, welcher nun ebenfalls angstauslösend wirkt. Durch die zukünftige Vermeidung dieser Situation wird die Angst vorübergehend reduziert oder verschwindet. Dies führt dazu, dass die betroffene Person „lernt“, dass die Vermeidung dieser Situation gut ist, was jedoch längerfristig zu einer Ausweitung und Verschlechterung der Angsterkrankung führt.

Ähnlich erklärt die psychologische Theorie der kognitiven Schemata die Angststörung. Betroffene einer Angststörung nehmen ihre Umwelt anders wahr und bewerten diese resultierend auch anders. Dies kann zu Fehlurteilen über die soziale und natürliche Umwelt führen, wobei Betroffene die Welt als gefährlich und angsteinflößend bewerten. Folglich reagieren Patienten mit sozialem Rückzug und Isolation.  

Ein anderer Ansatz verfolgt die psychoanalytische Schule. Diese erklärt eine Phobie als eine aktive kognitive Leistung, bei der die betroffene Person die angstauslösenden Gedanken verdrängt und auf ein Objekt verlagert um der eigentlichen der Angst zugrunde liegenden Ursache auszuweichen.

Biologische Ursachen einer Angststörung
Bei psychischen Störungen findet man bei Patienten häufig ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter). Bei  Angsterkrankungen wesentlich beteiligte Botenstoffe sind:

Serotonin und Noradrenalin
Das Serotonin und Noradrenalin-System spielt bei verschiedenen Formen der Angst eine große Rolle. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Botenstoffe im Gehirn zeigt eine positive Beeinflussung der Angstsymptomatik.

Gamma-Aminobuttersäure (GABA)
GABA ist der wichtigste hemmende Botenstoff im Gehirn. Eine verminderte GABA-Funktion führt zu Überreizung und zu Generalisierung der Erregung. Durch die Normalisierung des GABA-Systems im Gehirn erfolgt ua.eine Reduktion von Angstsymptomen.

Auch körperliche Fehlfunktionen wie eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse können zu einer Entstehung von Angsterkrankungen beitragen.

Genetische Ursachen einer Angststörung
Bisher konnte zwar noch kein eigentliches verantwortliches Gen als Ursache für eine Angsterkrankung gefunden werden. Resultate aus Familien- und Zwillingsstudien weisen jedoch auf einen wesentlichen genetischen Einfluss bei der Entstehung von Angsterkrankungen hin.

Im dritten Teil zum Thema Angsterkrankungen werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten beschrieben.

Teil 3: Behandlungsmöglichkeiten

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