Bindungsstörung: Ursachen

Teil 1: Symptome und Diagne

Eine Bindungsstörung, wie bereits in Teil 1: Symptome und Diagnose beschrieben, ist eine Störung der Gruppe der sozialen Funktionen und kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden.

Der grösste Risikofaktor für die Entstehung einer Bindungsstörung ist die soziale Vernachlässigung des Kindes durch die Bezugspersonen. Dabei findet die soziale Vernachlässigung in der frühkindlichen Entwicklung statt, d.h. in den ersten zwei bis drei Lebensjahren. Bei älteren Kindern liegen keine Belege vor, dass die soziale Vernachlässigung eine Bindungsstörung (mit-)verursacht.

Eine soziale Vernachlässigung kann sich durch verschiedene Aspekte äussern, z.B.,  wenn dem Kind wenig Liebe und Geborgenheit entgegengebracht wird oder die Bezugspersonen häufig wechseln oder abwesend sind. Gründe für eine soziale Vernachlässigung des Kindes sind weitreichend. So können zum Beispiel berufstätige Eltern mit ständig wechselndem Wohnort oder eine unerwünschte Schwangerschaft Gründe dafür sein. Auch eine psychische Störung der Mutter kann dazu führen, dass das Kind sozial und emotional vernachlässigt wird. Je länger eine soziale Vernachlässigung des Kindes andauert, desto höher ist auch das Risiko, dass das Kind an einer Bindungsstörung erkrankt.

Für eine sichere Bindung zwischen den Eltern und dem Kind ist besonders die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit wichtig. Die Eltern bzw. Bezugspersonen müssen die Signale des Kindes wahrnehmen, richtig interpretieren und anschliessend angemessen und prompt reagieren. So erfährt das Kind, dass sein Verhalten Auswirkungen hat. Aber nicht nur das Verhalten des Kindes und der Eltern ist essentiell, sondern auch Aspekte der sprachlichen Interaktion, Blickkontakt während der Kommunikation und feinfühliger Körperkontakt. Kinder brauchen einen sicheren Rückhalt und emotionale Nähe zu den Eltern bzw. zur Bezugsperson. Diese Aspekte sind eine Grundvoraussetzung für die psychische Gesundheit des Kindes.

Fehlen diese Aspekte in den frühen Entwicklungsjahren des Kindes, kann sich das sehr belastend auswirken und negative Implikationen auf die biografische Entwicklung nehmen.

Die soziale Vernachlässigung des Kindes ist jedoch nicht der einzige Risikofaktor für die Entstehung einer Binddungsstörung. Weitere Risikofaktoren können zum Beispiel sein: die Frühgeburt eines Kindes, erlittenes Trauma in der Schwangerschaft (zum Beispiel durch Drogenmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft) oder auch die Trennung von Mutter, Vater oder der anderen Bezugsperson.

Sowohl die reaktive Bindungsstörung wie auch die Bindungsstörung mit Enthemmung sind eher seltene Störungen. Bei beiden Formen liegt die Prävalenz, das heisst die Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung, bei etwa einem Prozent.

Im dritten von vier Teilen werden die Behandlungsmöglichkeiten einer Bindungsstörung beschrieben.

Teil 3: Behandlung

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