Bipolare Störung: Ursachen

Die Ursachen einer bipolaren Störung sind noch nicht vollumfänglich geklärt. Sie entsteht höchstwahrscheinlich durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Um diesen multifaktoriellen Entstehungsprozess der bipolaren Störung zu erklären, kann das Vulnerabilitäts-Stress-Modell verwendet werden: Es beschreibt die Wechselwirkung zwischen genetischen oder biologischen Faktoren und Umwelteinflüssen (Stress). Auch organische Faktoren sowie die Einnahme von Drogen oder Medikamenten können eine Rolle spielen. Wie relevant die einzelnen Faktoren bei der Entstehung einer bipolaren Störung sind, ist individuell unterschiedlich. Unter «Vulnerabilität» versteht man eine (genetische) Anfälligkeit für eine bestimmte Krankheit oder Störung. Die Stressoren beschreiben wiederum belastende Umwelteinflüsse oder Lebensumstände. Werden nun die Belastungen zu gross, überschreiten sie eine gewisse «Schwelle», und es kommt zum Krankheitsausbruch. Diese «Schwelle» kann durch Schutzfaktoren, wie zum Beispiel soziale Unterstützung oder effiziente Stressbewältigungsstrategien, beeinflusst werden.     

Im Folgenden werden diese Faktoren näher betrachtet. 

  • Biologische Faktoren

Ein zentraler Faktor in der Entstehung einer bipolaren Störung ist die genetisch bedingte Vulnerabilität. Um die Erblichkeit verschiedener Störungen zu erforschen, verwenden Forschungsgruppen zumeist Zwillingsstudien. Das Konzept dahinter erklärt sich wie folgt: Wenn sich eineiige Zwillinge in Anbetracht eines bestimmten Merkmals stärker ähneln als zweieiige Zwillinge, kann das als ein Hinweis des genetischen Einflusses gedeutet werden. Betrachtet man nun eine Studie von eineiigen Zwillingen, von denen ein Zwilling eine bipolare Störung hat, so liegt das Erkrankungsrisiko für den anderen Zwilling bei 40 bis 70%. Bei Verwandten ersten Grades liegt das Erkrankungsrisiko noch bei 5 bis 10%.

  • Genetische Faktoren

Ein weiterer relevanter biologischer Faktor für die Entstehung und das Fortbestehen einer bipolaren Störung ist der Stoffwechsel im Gehirn. Die Neurotransmitter Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA) befinden sich in einem Ungleichgewicht. So fand sich bei Patienten in einer depressiven Phase ein Mangel an den Neurotransmittern Serotonin und Noradrenalin. Auch in manischen Phasen werden Veränderungen der Neurotransmitter angenommen.

  • Psychosoziale Faktoren

Umwelteinflüsse spielen, wie im Vulnerabilitäts-Stress-Modell postuliert, eine entscheidende Rolle in der Entstehung einer bipolaren Störung. So können kritische Lebensereignisse (Traumata), Konflikte im Familien-/Freundeskreis oder eine starke Belastung am Arbeitsplatz dazu führen, dass eine Krankheitsphase ausgelöst wird.

Auch Persönlichkeitsmerkmale, wie zum Beispiel ein stark vermindertes Selbstwertgefühl, werden als mögliche Faktoren in der Entstehung einer bipolaren Störung diskutiert.

  • Organische sowie auf Drogen und Medikamente bezogene Faktoren

Auch körperliche Erkrankungen wie z.B. Schilddrüsenfehlfunktionen oder neurologische Erkrankungen, sowie auch die Einnahme von Drogen und Medikamenten wie beispielsweise Cortisol können manisch-depressive Symptome auslösen.

Teil 1: Symptome und Diagnose

Teil 3: Behandlung

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