Burnout: Behandlung

Im dritten von vier Teilen zeigen wir auf, was bei der Behandlung von Burnout zu beachten ist.

Teil 1: Burnout Symptome und Diagnose

Teil 2: Burnout Ursachen

Ein allgemein gültiges Vorgehen bezüglich der Behandlung von Burnout darzulegen ist schwierig. Der Ansatz zur Behandlung hängt zum einen stark davon ab, welcher Schweregrad des Burnout vorliegt. Zum anderen muss berücksichtigt werden, welche möglichen Komorbiditäten vorliegen, da dies unterschiedliche Behandlungsformen zur Folge hat. Das heisst: Wenn andere behandlungsbedürftige Erkrankungen vorliegen oder durch ein fortgeschrittenes Burnout-Stadium zum Beispiel bereits eine Depression besteht, dann muss die Behandlung entsprechend angepasst werden. Grundsätzlich sind im Rahmen einer Burnout-Behandlung verschiedene Schritte wichtig. Der erste erscheint sehr trivial, ist aber von grosser Bedeutung. Das Feststellen der Diagnose und eine damit verbundene Einschätzung der eigenen Lebenssituation kann zwar unmittelbar belastend sein, kurz darauf aber auch zu einer gewissen Erleichterung führen. Die Einsicht oder die Erkenntnis, dass das eigene Überforderungsgefühl erklärbar und durch verschiedene Einflüsse begründbar ist, kann in Kombination mit einer medizinischen Diagnose den Druck verringern.

Auszeit von der Arbeit
Bei einem stark fortgeschrittenen Schweregrad des Burnout-Syndroms, wenn womöglich auch einschränkende körperliche Beschwerden vorliegen, sind eine vorübergehende Auszeit von der Arbeitsstelle und womöglich eine kurzfristige Änderung des Aufenthaltsorts meistens unumgänglich, um eine Erholungsphase einzuleiten. In dieser Phase soll zwar die Erholung im Vordergrund stehen, jedoch stellt sie auch eine gute Gelegenheit dar, die eigene Situation mit etwas Abstand zu betrachten und sich dazu Gedanken zu machen. Nicht selten kann dies zu einer beruflichen (und/oder auch privaten) Neuorientierung führen. Durchaus möglich ist aber auch die Wiederaufnahme der Tätigkeit am selben Arbeitsplatz.

Wiedereingliederung mit Nachhaltigkeit
Neben der konkreten Erholung ist vor allem wichtig, dass die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag idealerweise mit einer kontinuierlichen Steigerung des Pensums erfolgt. Dies einerseits, um die Erholung zu gewährleisten, andererseits, um allfällige Verhaltens- und Mentalitätsveränderungen mit etwas Abstand zu beobachten und zu reflektieren. Eine parallele psychotherapeutische Behandlung ist für diesen komplexen Prozess sehr sinnvoll.

Änderung des Mindsets
Ein mögliches Ziel dieser Behandlung, könnte die Veränderung der Denk- oder mentalen Herangehensweise sein, was den Umgang mit Stress und Erschöpfung am Arbeitsplatz, aber auch im privaten Umfeld betrifft. Wichtig ist die Erkenntnis, dass ein gewisses Stressgefühl, zumindest vorübergehend, wohl kaum komplett zu vermeiden ist. Daher kann es helfen, wenn in der Therapie oder Beratung darauf hingearbeitet wird, dass ein gewisses Mass an vorübergehenden Schwäche- oder Überforderungsgefühlen dazugehört und nichts ist, wofür man sich schämen müsste. Die Fähigkeit, sich kurzzeitige Überforderungen einzugestehen und entsprechend zu reagieren (zum Beispiel in Form von Gesprächen mit Mitarbeitern oder kurzzeitigen Entspannungsritualen), kann ein erneutes Burnout-Syndrom bereits in der Entstehung verhindern.

Methoden zur Entspannung
Neben Methoden, die das Stresserleben unmittelbar reduzieren, gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, einem erneuten Burnout in einem übergeordneten Rahmen entgegen zu wirken. Einerseits sind dies verschiedene Hobbies und/oder soziale Aktivitäten. Da ein enger Zusammenhang zwischen psychischer und physischer Anspannung besteht, kann zum Beispiel auch Sport ohne besonderen Leistungsdruck eine sehr positive Wirkung haben. Zudem gibt es verschiedene Entspannungsverfahren, wie zum Beispiel die progressive Muskelentspannung, die das Level der mentalen und körperlichen Anspannung gezielt reduzieren.

Medikamente
Im Falle eines sehr fortgeschrittenen Burnout-Syndroms kann bereits eine Depression entstanden sein. Die vorübergehende Einnahme von Antidepressiva kann erheblich zur Stabilisierung beitragen. Jedoch werden dadurch keine konkreten Stresssymptome reduziert. Das Ziel der mentalen und körperlichen Entspannung kann auch mit Hilfe von pflanzlichen Heilmitteln erreicht werden. Sie können insbesondere dann helfen, wenn sie in Kombination mit einer psychotherapeutischen Behandlung angewendet werden, da man sich für eine Linderung des Burnout-Syndroms keinesfalls ausschliesslich auf Arzneimittel verlassen darf.

Psychotherapie im Allgemeinen
In Anlehnung an eine veränderte Herangehensweise, was gewisse Denkmuster betrifft, ist es unter Umständen hilfreich generell zu etablieren, dass die Inanspruchnahme von Psychotherapie keine Schwäche darstellt. Dies kann insbesondere in gewissen Arbeitsumgebungen negativ belastet und stigmatisiert sein.

Gruppentherapie
Eine besondere Form der Psychotherapie ist die Gruppentherapie. Sie kann insbesondere in der Behandlung von Burnout besonders wertvoll sein. Die Erkenntnis, dass auch andere Personen an derselben oder an einer ähnlichen Symptomatik leiden, kann eine grosse Entlastung darstellen und macht den Austausch sehr gewinnbringend. Zudem kann der Umgang anderer Personen mit der Problematik für die Entwicklung eigener Strategien anregend sein.

Prävention
Die nachhaltigste und zu empfehlende Behandlung von Burnout liegt allerdings in der Prävention. Einerseits sind diese Möglichkeiten sehr individuell und wurden bereits weiter oben angesprochen. Andererseits haben auch Arbeitgeber die Möglichkeit, durch das Anpassen von Strukturen, die Förderung einer konstruktiven Arbeitsatmosphäre und womöglich die Einführung von gezielten Entspannungsprogrammen (zum Beispiel Yoga) das Risiko von Burnout zu reduzieren.

Teil 1: Burnout: Symptome und Diagnose

Teil 2: Burnout: Ursachen

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