Depression: die Geschichte eines Patienten

Michael Gruber* ist 48 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Als Kadermitglied eines technischen Unternehmens war er beruflich sehr engagiert und arbeitete viel. Als die Firma in einen grossen Konzern integriert wurde, wuchs die Arbeitsbelastung ins Unermessliche. Private Kontakte oder sportliche Aktivitäten blieben komplett auf der Strecke, auch für die Familie blieb immer weniger Zeit. Bis die psychische Belastung zu gross wurde.

Die ersten Symptome von Michael Grubers Erschöpfungsdepression waren Herzrasen, ein hoher Blutdruck, starkes nächtliches Schwitzen und Schlafapnoe (temporäres Aussetzen der Atmung während des Schlafs). Dann kam über Nacht der totale Breakdown mit massiven körperlichen und psychischen Reaktionen. «Es war, als würde eine Lawine über mich rollen», sagt Michael Gruber heute, «ich fühlte mich komplett hilflos und hatte Panikattacken». Seine Frau begleitete ihn zum Hausarzt, welcher Medikamente verschrieb und ihn in psychiatrische Behandlung überwies. Nach einigen Tagen erfolgte auf eigenen Wunsch der Wechsel zur Clienia Littenheid.

Herr Gruber, wie erlebten Sie Ihre ersten Tage in Littenheid?

Auf der Psychotherapiestation sah ich, dass ich mit meinen Problemen nicht alleine war. Die Gruppe auf der Station hat sich mir sofort geöffnet, und ich fühlte mich akzeptiert und willkommen. Das war wohl eine wichtige Voraussetzung, um die Kontrolle über alles abgeben und mich auf die Therapie einlassen zu können.

Was waren Ihre Erwartungen?

Ich erhoffte mir schnellstmöglich professionelle Hilfe, und meine Familie sollte mich in guter Obhut wissen.

Was hat geholfen?

Besonders geholfen hat mir die Littenheider Umgebung, mitten in der Natur zu sein, die Ruhe. Durch körperliche Erlebnisse, zum Beispiel ausgedehnte Spaziergänge, habe ich wieder Zugang zu meinen Bedürfnissen und zu meinen Emotionen gefunden. Ich bin wieder in Bewegung gekommen – im wahrsten Sinn des Wortes.

Haben Sie sich auch auf Unbekanntes eingelassen?

Ja, das habe ich. Ich liess mich auf Dinge ein, die ich vorher noch nie gemacht und sogar belächelt hatte. Zum Beispiel Yoga. Diese Lektionen halfen mir, mit mir selber in Kontakt zu kommen, meinen Atem als Ausdruck meiner Befindlichkeit wahrzunehmen und mich auf mich selbst zu konzentrieren. Auch die Maltherapie war hilfreich für mich. Ich habe während meines mehrwöchigen Aufenthaltes immer wieder das gleiche Bild gemalt und sehe jetzt meine Entwicklung, meine Genesung symbolisch vor mir.

Wie empfanden Sie die Betreuung?

Ich fühlte mich sehr gut betreut, hatte auf der Therapiestation von Anfang an ein gutes Gefühl. Meine Bezugsperson war sehr authentisch, motivierend und äusserst kompetent. Sie strahlte eine grosse Ruhe aus, das tat mir gut. Ich hatte viele Gespräche auf Augenhöhe. Auch meine Frau wurde einbezogen. Wir erfuhren eine hohe Professionalität und eindrückliches Einfühlungsvermögen.

Wie geht es Ihnen heute?              

Ich bin Ende Januar aus der Klinik ausgetreten und besuche heute die Tagesklinik der Clienia in Frauenfeld zur Stabilisierung und zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Insgesamt fühle ich mich wieder viel besser, und ich habe gelernt, Schritt für Schritt weiterzugehen. Ich habe das Glück einer guten Grundstabilität in meinem Leben. Meine Familie stand stets hinter mir, und mein Vorgesetzter hat mir sofort den Rücken freigehalten. Ich konnte ein gutes Gespür für mich selber entwickeln und habe wieder Perspektiven.

*Name geändert

Teil 1: Symptome und Diagnosen einer Depression

Teil 2: Ursachen einer Depression

Teil 3: Behandlung einer Depression

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