Enuresis und Enkopresis: Symptome und Diagnose

Mit Enuresis (Einnässen) und Enkopresis (Einkoten) werden Ausscheidungsstörungen bezeichnet. Sie gehören zu den häufigsten Störungen im Kindesalter und werden sowohl vom Kind als auch von den Eltern als sehr unangenehm empfunden.

Im Folgenden werden die Symptome und Diagnosen der Enuresis und Enkopresis beschrieben.

Enuresis
Als Enuresis wird das wiederholte, unwillkürliche Einnässen (manchmal auch Bettnässen) bei einem Kind ab dem fünften Lebensjahr bezeichnet. Für eine Diagnosestellung muss die Symptomatik für mindestens drei Monate vorhanden sein,bei grösser/gleich 7 jährigen Kindern mit einer Häufigkeit von mindestens einmal pro Monat, bei jüngeren Kindern in einer Frequenz von mindestens zweimal pro Monat. Als eine erste Unterscheidung wird zwischen primärer und sekundärer Enuresis differenziert. Primäre Enuresis ist eine Entwicklungsverzögerung, wobei das Kind nie dauerhaft «trocken» war. Diese Form ist vor allem genetisch bedingt. Als sekundäre Enuresis wird das Einnässen bezeichnet, welches nach mindestens sechs-monatiger Pause wieder auftritt. Diese Form der Enuresis ist wesentlich durch psychische Faktoren verursacht.

Das nächtliche Einnässen wird als Enuresis bezeichnet. Einnässen am Tag als funktionelle Harninkontinenz.Es ist wichtig, dass im Voraus allfällige organische Ursachen des Einnässens ausgeschlossen wurden.

Weiter unterscheidet man beim nächtlichen Einnässen zwischen einer monosymptomatischen Enuresis nocturna (ohne Anzeichen einer Blasendysfunktion) und einer nicht-monosymptomatischen Enuresis (mit Anzeichen einer Blasendysfunktion, mit oder ohne Einnässen am Tag). Folglich werden zwischen vier verschiedene Formen der Enuresis (nocturna) unterschieden:

  • primär monosymptomatisch

  • primär nicht-monosymptomatisch

  • sekundär monosymptomatisch

  • sekundär nicht-monosymptomatisch

Das Einnässen tagsüber wird als funktionelle Harninkontinenz bezeichnet. Hier lassen sich ebenfalls vier Formen der funktionellen Harninkontinenz unterscheiden:

Dranginkontinenz 
Bei der Dranginkontinenz führt eine überaktive Blase zu einem unbeherrschbaren, starken und oftmals schmerzhaften Harndrang. Dieses Gefühl wird so stark, dass der Weg zur Toilette häufig zu weit ist. Folglich kommt es zu einem unerwünschten Harnverlust. Die Dranginkontinenz ist die häufigste Form des Einnässens am Tage. Typischerweise gehen diese Kinder sehr häufig auf Toilette (mehr als 7 mal/Tag) und das Miktionsvolumen ist sehr klein.

Harninkontinenz bei Miktionsaufschub
Beim Miktionsaufschub schieben die Kinder den Gang zur Toilette in bestimmten Situationen (z.B. auf dem Schulweg oder in einer Spielsituation) wiederholt auf. Die Kinder Entleeren ihre Blase i.d. Regel nur zwei- bis dreimal täglich. Zur Folge ist die Blase fast immer gefüllt.

Dyskoordinierte Miktion
Diese Form der Harninkontinenz geschieht durch eine pathologische Anspannung des Beckenbodens während der Miktion. Dadurch entsteht ein „stotterndes“ Wasserlassen. Häufig findet man im Ultraschall eine verdickte Blasenwand.

Unteraktive Blase
Eine unteraktive Blase kann durch ein chronisches Aufschieben des Harndrangs entstehen. Kinder mit einer unteraktiven Blase müssen bei der Blasenentleerung mit den Bauchmuskeln pressen.

Zwei weitere - sehr seltene - Formen der kindlichen Harninkontinenz sind die Belastungsinkontinenz (Einnässen bei erhöhtem intraabdominellem Druck, wie bspw. beim Husten, Hüpfen, oder Niesen) und die Lachinkontinenz (auch Giggle-Inkontinenz genannt).

Nässt ein Kind tags und im Schlaf ein, erhält es nach den aktuellen Leitlinien somit zwei Diagnosen. Eine Diagnose für die Form des nächtlichen Einnässens und eine für die Form der funktionellen Harninkontinenz (Einnässen am Tag).

Diagnostik beim Einnässen

Zu Beginn wird ein ausführliches Gespräch mit dem Kind und den Bezugspersonen durchgeführt. Dabei geht es besonders um die Erfassung der Symptomatik, den bisherigen Verlauf und allenfalls belastende Ereignisse im Leben des Kindes (bspw. Geburt eines Geschwisterkindes, Trennung der Eltern ), sowie um den Umgang der Familie mit dem Einnässen und um den vorhandenen Leidensdruck des Kindes bzw. der Eltern. .  

Anschliessend wird ein 48-Stunden-Miktionsprotokoll erfasst, das heisst innerhalb von zwei Tagen wird ein Tagebuch über die Entleerung der Harnblase geführt. Das beinhaltet auch die Trink- und Ausscheidungsmengen sowie die Zeiten der Ausscheidung.

Um allfällige andere (organische) Ursachen für das Einnässen auszuschliessen, muss jedes Kind zusätzlich pädiatrisch und neurologisch untersucht werden.

Enkopresis
Enkopresis ist das willkürliche oder unwillkürliche Einkoten (zum Beispiel in die Kleidung oder auf den Boden) bei Kindern über 4 Jahren. Die Symptomatik muss mindestens einmal pro Monat auftreten und für 6 Monate bestehen. Organische Faktoren müssen ausgeschlossen sein. Analog zur Enuresis unterscheidet man auch bei der Enkopresis zwischen primärem und sekundärem Einkoten. Beim primären Einkoten hat das Kind noch nicht gelernt seinen Stuhlgang korrekt zu kontrollieren. Kinder mit einer sekundären Enkopresis kontrollierten bereits für mindestens sechs Monate ihren Stuhlgang, jedoch koten sie nun wieder ein.

Auch bei Enkopresis kann man die folgenden zwei weiteren Formen unterscheiden:

Retentives Einkoten (Enkopresis mit Obstipation)
Beim retentiven Einkoten ist die Ursache eine langandauernde Verstopfung (Obstipation). Der Stuhlgang kann dabei als sehr schmerzhaft empfunden werden. Häufig wird aus Angst vor den Schmerzen der Stuhlgang zurückgehalten. Dieses Verhalten verschlimmert die Verstopfung zusätzlich. Die Kinder zeigen eine geringe Stuhlfrequenz (< 3 mal pro Woche). Etwa 80 bis 95% der Enkopresis-Betroffenen leiden an einer retentiven Form. Oftmals beginnt das retentive Einkoten im Säuglings- und Kleinkindalter aufgrund einer akuten Verstopfung.

Nicht-retentives Einkoten (Enkopresis ohne Obstipation)
Diese Form der Enkopresis betrifft lediglich etwa 5 bis 20% der Fälle. Die Ursache der nicht-retentiven Form des Einkotens sind psychische Faktoren (z.B. Überforderung, gestörtes Eltern-Kind-Verhältnis oder Geschwisterrivalität).

Diagnose einer Enkopresis

Auch die Diagnose einer Enkopresis beginnt mit einem ausführlichen Gespräch mit dem betroffenen Kind und dessen Bezugspersonen. Dabei werden besonders die typischen Symptome (Stuhlgang, Schmerzen) und die Kindesentwicklung erfragt. Daneben gilt es eine familiäre Disposition und Disharmonie zwischen Erwachsenen abzuklären und den Leidensdruck des Patienten einzuschätzen, sowie die Behandlungserwartungen zu eruieren

Anschliessend wird eine allgemeine Untersuchung durchgeführt inklusive Ultraschall. Ein Stuhlprotokoll dient zur begleitenden Obstipationsdiagnostik (über mind. 1 Woche).

Teil 2: Ursachen

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