Essstörungen: Möglichkeiten zur Behandlung

Im dritten von vier Teilen zu Essstörungen zeigen wir auf, wie Essstörungen behandelt werden können.

Teil 1: Essstörungen Symptome und Diagnose

Teil 2: Essstörungen Ursachen

Nach den Symptomen und Ursachen werden in diesem Teil des Blogs zu Essstörungen einige Aspekte zu Behandlungsmöglichkeiten genauer dargelegt.

Wer lässt sich behandeln?
Im ersten Teil dieses Blogs wurde von den verschiedenen Formen der Essstörungen berichtet und erklärt, dass es sich dabei um offiziell anerkannte Krankheitsbilder handelt. Entsprechend gibt es auch die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ein grosser Teil der Personen, die an einer Störung des Essverhaltens erkranken, tun dies auch. Gemäss den Zahlen des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit sind dies vor allem jene, die an Anorexia nervosa (Magersucht) leiden - ungefähr 80% der Erkrankten ersuchen aktiv Hilfe. Personen mit Bulimie und der Binge-Eating-Störung tun dies zwar gemäss Statistik auch, jedoch weniger häufig. Der Grund dafür könnte sein, dass sich das soziale Umfeld bei Magersucht womöglich schneller Sorgen macht, da die Problematik auf körperlicher Ebene für Aussenstehende besser ersichtlich ist und die betroffene Person eher darauf hinweist, dass sie sich Hilfe holen soll. Dies ist bei den anderen Formen vielleicht eher weniger der Fall.

Wer behandelt?
Wegen der hohen Komplexität und dem Vorhandensein von somatischen und psychischen Problemen, sind sowohl Ärzte als auch psychotherapeutisches Fachpersonal in die Behandlung von Essstörungen mit eingebunden.

Therapieformen
Grundsätzlich gilt, dass je früher eine mögliche Problematik erkannt und behandelt wird, desto besser die Prognose für einen erfolgreichen Behandlungsverlauf ist. Wenn möglich, sollte eine ambulante Behandlung einer stationären vorgezogen werden. Eine ambulante Behandlung bedeutet, dass die betroffene Person möglichst normal ihrem Alltag nachgehen soll und die Therapie anhand von Besuchen bei Institutionen mit Fachpersonal durchgeführt wird. Um die Durchführung einer ambulanten Therapie zu gewährleisten, wird in der Regel ein gewisses Mindestmass an körperlicher und psychischer Gesundheit vorausgesetzt (zum Beispiel ein mindest BMI-Wert, der erreicht werden soll). Ist dies nicht der Fall, muss eine Hospitalisierung zur Stabilisation von wichtigen Körperfunktionen zwingend in Betracht gezogen werden.

Familie, soziales Umfeld
Da die Ursachen für die Entstehung der Problematik oft nicht nur in der betroffenen Person selber, sondern auch im sozialen Umfeld zu suchen sind, ist es insbesondere bei Jugendlichen Patienten ratsam, die Familie in die Therapie zu einem gewissen Grad mit einzubeziehen.

Psychotherapie
Konkret sollen in der Psychotherapie einerseit das Körpergewicht normalisiert und durch das Aneignen von gesünderem Essverhalten nachhaltig stabilisiert werden. Dazu soll ein gesunder Selbstwert entwickelt und zugehörige Kompetenzen aufgebaut und erweitert werden. Dies soll helfen, allfällige ungesunde Schönheitsideale besser einordnen zu können und die Selbst- und Körperwahrnehmung zu stärken. Dabei muss der Fokus nicht zwingend immer nur auf dem Essverhalten liegen. Auch Kompetenzen wie Ausdruck und Regulation von Emotionen werden dabei oft zum Thema im Verlaufe einer Therapie. Sämtliche Lebensbereiche, die bei der Entstehung einer Essstörungen relevant sind, sollten dazu genauer angeschaut und entsprechend reflektiert werden.
Wichtig anzumerken ist, dass eine nachhaltige psychotherapeutische Behandlung Geduld und ein schrittweises Vorgehen erfordert. Die betroffene Person sollte dabei stets in den Behandlungsprozess eingebunden werden. Zu viel (Zeit-) Druck von Seiten des sozialen Umfeldes oder des behandelnden Fachpersonals würde dabei mögliecherweise kontraproduktiv wirken.

Medikamente
Für Essstörungen gibt es bis heute wenige Medikamente, welche einen nachgewiesenen Einfluss auf den Behandlungsverlauf haben. Es gibt jedoch eine Gruppe von Medikamenten, die eine appetithemmende Wirkung haben kann. Unter Umständen kann dies einen Therapieverlauf unterstützen. Eine medikamentöse Behandlung wird in der Regel nur dann zum Thema, wenn zusätzlich die Diagnose einer psychischen Krankheit vorliegen sollte, welche den Einsatz von Medikamenten erfordert.

Ernährungsberatung
Neben der rein medizinischen und psychologischen Behandlung macht es auch Sinn, parallel eine Ernährungsberatung anzubieten, um die Nachhaltigkeit nach der ersten intensiven Therapiephase zu gewährleisten.

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