Fachtherapien: Geschichte einer Patientin

Fachtherapien: Geschichte einer Patientin

Wie erlebt eine 27-jährige Patientin die Angebote der Fachtherapie während ihres stationären Aufenthalts? Was hilft ihr am meisten?

«Seit Anfang Dezember bin ich bei Clienia in Littenheid in stationärer Behandlung auf einer Psychotherapiestation. Schon ein halbes Jahr zuvor verbrachte ich hier sechs Wochen zur Stabilisation meiner damaligen Lage. Nach einer langen Leidensgeschichte konnte ich endlich den Mut aufbringen, die belastenden Themen anzugehen, unter denen ich schon jahrelang gelitten hatte. Sehr schwierige Verhältnisse in meiner Kindheit und Jugend mit einem alkoholkranken Vater und damit einhergehenden körperlichen und psychischen Missbräuchen waren der Ursprung meines diagnostizierten posttraumatischen Belastungssyndroms und meiner Depression.

Neben den Einzel- und Gruppentherapien auf der Station nutze ich fast alle Angebote der Fachtherapien. Das Angebot ist toll – es gibt alles, was man sich nur wünschen kann, von der progressiven Muskelrelaxation über entspannende Massagen bis hin zum Ausprobieren von Instrumenten, um die Gefühle auszudrücken, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Die verschiedenen Therapien unterstützen die eigentliche Behandlung sehr. Ich war überrascht, was zum Beispiel das Malen oder die Wahrnehmungstherapie alles in mir ausgelöst hat. Einige Angebote haben auch Wunden aufgetan, Trigger ausgelöst. Diese konnten aber während der Fachtherapiestunde wieder aufgelöst werden. Auch steht es einem frei, die Therapie jederzeit zu verlassen, wenn es einem zuviel wird. Manche Sachen wirken auch später noch nach. Dann kann man sich jederzeit an die Pflegebezugsperson wenden und mit ihr darüber reden.

Am meisten hat mir die lösungsorientierte Maltherapie geholfen. Dort konzentriert man sich auf ein bestimmtes Thema, das man verbessern möchte. Man malt ein klares, einfaches Bild zu diesem Thema, das belastende Gefühle und Situationen zeigt. Dann verändert man das Bild zum Guten, so dass am Ende im Hirn eine reale Veränderung geschaffen wird, die einem hilft, die Trigger unter Kontrolle zu halten oder im besten Fall sogar zu eliminieren. Manchmal malt auch ein anderer Patient das Bild weiter, verschönert und verbessert es. Dies hilft einem, mögliche Entwicklungen zu erkennen und die Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich erfuhr durch das lösungsorientierte Malen eine grosse Erleichterung und habe nun viel weniger Flashbacks, wenn ich Männer antreffe, die meinem Vater ähnlichsehen.

Auch sehr hilfreich waren für mich die Imaginationsübungen, wo man lernt, stressigen inneren Bildern etwas entgegensetzen und daraus positive, entspannte Bilder zu machen. Ich habe mir mit dem «Inneren Garten» die Metapher eines schönen, blühenden Raums in der Natur geschaffen, in den ich mich zurückziehen kann und alles Belastende, Verdorbene, Störende auf dem Kompost entsorge. Diesen Gedanken kann ich nun auch in Alltagssituationen aktivieren. Er hilft mir, mit meiner Geschichte besser zurechtzukommen.

Wenn es kein Fachtherapie-Angebot gäbe, würde man Vieles verpassen, das hilft, um wieder gesund zu werden. Zum einen machen die Kurse grossen Spass, bieten sinnvolle Beschäftigung. Andererseits ist es zum Teil aber auch richtige Knochenarbeit und geht ans Eingemachte. Zusammen mit den hilfreichen psychotherapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen bietet Clienia mit den Fachtherapien eine Allround-Betreuung. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben hier und spüre, dass ich in der Verarbeitung meiner Erlebnisse einen riesengrossen Schritt weitergekommen bin.»

D.R., 27 Jahre alt

Teil 1: Definitionen ausgewählter Fachtherapien
Teil 2: Therapeutischer Prozess
Teil 3: Transfer in den Alltag

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