Fachtherapien: Transfer in den Alltag

Fachtherapien: Transfer in den Alltag

Im dritten Teil zu Fachtherapien wird erklärt, wie der Transfer in den Alltag gewährleistet werden kann.

Teil 1: Definitionen ausgewählter Fachtherapien

Teil 2: Therapeutischer Prozess

Die Fachtherapien leisten innerhalb eines Klinikaufenthalts den Brückenschlag zwischen erworbenem Wissen zur eigenen Gesundheit und dessen Umsetzung im ganz eigenen Leben. Damit diese Brücke auch nach dem Austritt bestehen bleibt, wird dem Transfer in den Alltag eine besondere Bedeutung zugemessen. Das Ziel der Fachtherapien ist es also immer, dass das Erlernte und Erlebte für die Patientinnen und Patienten auch nach dem Austritt umsetzbar und reaktivierbar ist.

Physiotherapie
Bei akuten Symptomen werden in der Physiotherapie oft passive Massnahmen angewendet wie beispielsweise Wärmeanwendungen oder Massagen. Soweit möglich werden diese möglichst rasch durch aktive Massnahmen, wie beispielsweise das selbständige Fitnesstraining ergänzt oder durch gezielt ausgewählte Übungen ersetzt. Die Physiotherapie arbeitet deshalb in Bezug auf den Alltagstransfer häufig mit edukativen Mitteln wie Übungsblättern, Audiodateien zur Trainingsanleitung und Adressdaten von Trainingsräumen. Patientinnen und Patienten werden dadurch ermächtigt, ihre körperliche Gesundheit auch nach dem Austritt und selbständig zu unterstützen. Die Erfolgserlebnisse, welche im Verlauf der Therapie erlebt werden, unterstützen die Motivationsbildung für eine längerfristige Veränderung. Somit können neue Gewohnheiten in den Alltag integriert werden und die Selbstwirksamkeit des Patienten oder der Patientinnen erhöht werden.

Ergotherapie
Der Transfer in den Alltag fokussiert in der Ergotherapie auf zwei Bereiche. Einerseits zielt sie darauf ab, die eigenen Ressourcen und Interessen zu aktivieren. Patientinnen und Patienten finden in der Auswahl an Materialien und Techniken eine für sie sinnbringende Aktivität. Um das Umsetzen im eigenen Alltag zu unterstützen, verfügt die Ergotherapie über ein grosses Wissen an unterschiedlichen Werkstätten und Kursen im Umfeld der Patientinnen und Patienten. Andererseits erlaubt die Ergotherapie hinderliche Strukturen oder Verhaltensmuster zu erkennen und zu korrigieren. So kann beispielsweise die eigene Wochenstruktur optimiert und die eigene Befindlichkeit verbessert werden. Auch das während der Therapie erworbene Wissen unterstützt die Integrierung in den Alltag. So bringt der Patient oder die Patientin bereits wertvolle Informationen aus der Therapie mit nach Hause, was bei der Umsetzung des Erworbenen unterstützt.

Bewegungstherapie
Neben Übungsblättern, Kontaktdaten und Audiodateien wird der Transfer in den Alltag in der Bewegungstherapie über das konkrete Training der Selbstfürsorge geschafft. Passende Massnahmen wie Fussbäder oder Cremes werden in den Klinikalltag integriert und so gestaltet, dass sie auch nach dem Austritt durchgeführt werden können. Nicht zuletzt gewinnen Patientinnen und Patienten in der Bewegungstherapie mehr Akzeptanz ihrem Körper gegenüber, erweitern ihre Ausdrucksfähigkeit und erlernen Entspannungstechniken. Die daraus resultierenden Erkenntnisse und Übungen werden so besprochen, dass sie in der Lebensrealität der Patientinnen und Patienten umsetzbar sind.

Mal- und Gestaltungstherapie
Wie bei einer psychotherapeutischen Behandlung sind mal- und gestaltungstherapeutische Prozesse je nach Aufenthaltsdauer bei Klinikaustritt nicht abgeschlossen und werden ambulant weitergeführt. Um Patientinnen und Patienten dahingehend zu beraten, verfügt die Mal- und Gestaltungstherapie über Adressen geeigneter Nachbehandler und Nachbehandlerinnen. Die Arbeit in der Mal- und Gestaltungstherapie gelangt aber oft auch über das Werkstück selbst in den Alltag der Patientinnen und Patienten. Dies beispielsweise wenn ein kraftspendendes Bild, ein stützender Gegenstand oder das erstellte Therapietagebuch im eigenen Zuhause einen Platz erhält.

Musiktherapie
Die musiktherapeutische Arbeit mit der eigenen Stimme, mit Instrumenten oder gehörter Musik erlaubt es, die eigene Befindlichkeit zu erkennen und auszudrücken. Dabei wird die Beziehung zu sich und anderen gestärkt und reflektiert. Patientinnen und Patienten entdecken in der Musiktherapie Möglichkeiten ihre Spannungen zu lösen, ihre Emotionen zu regulieren und Beziehungen auf sinnvolle Weise zu gestalten. Klänge werden dabei als Mittel verwendet, um die eigene Gesundheit zu unterstützen. So kann beispielsweise ein kraftspendendes Lied gefunden werden für schwierige Momente. Über die Reflexion des Erlernten und Erlebten werden Situationen aus dem eigenen Leben für die Zukunft formbar. Durch die Therapie können Patienten und Patientinnen auch lernen, ihre Gefühle im Alltag mit Musik zu verbinden oder verarbeiten. Sei es durch das Hören oder das Produzieren von Musik. Es kann ein Zugang zu einem wertvollen Werkzeug zum Umgang mit Emotionen geschaffen werden.

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