Schmerzstörungen ohne somatische Befunde: Ursachen

Im zweiten von vier Teilen berichtet Clienia über mögliche Ursachen von somatoformen Stöungen.

Teil 1: Symptome und Diagnose

Teil 3: Behandlung

Allgemeine Aspekte
Konkrete, spezifische Ursachen für die Entwicklung einer somatoformen Störung konnten bisher wissenschaftlich noch nicht klar bewiesen werden. Da es sich bei der somatoformen Störung um ein Phänomen handelt, bei dem  die Wechselwirkung zwischen psychischen und körperlichen Aspekten eine grosse Rolle spielt, ist die entsprechende Forschung hoch kompliziert, aufwendig  und konkrete Ursachen zu evaluieren sehr schwierig. Dieser ausgeprägten Komplexität liegt zugrunde, dass für die Entwicklung einer somatoformen Störung mehrere Faktoren aus verschiedenen Bereichen der körperlichen und psychischen Gesundheit zusammenspielen. So sind dies zum Beispiel Beruf, Familie, die finanzielle Situation, Integration in der Gesellschaft, Hobbys, Erfahrungen aus der Kindheit, Erziehung und Schulzeit. Aber auch Sexualität und das Bindungsverhalten kann eine prägende Rolle einnehmen.

Während den letzten Jahrzehnten wurde, bezüglich möglichen Ursachen für das Störungsbild, viel Forschung betrieben. Wenn auch keine empirisch eindeutigen Erklärungen gefunden werden konnten, so gibt es doch deutliche Hinweise darauf, dass sich somatoforme Störungen aus einer Kombination von verschiedenen, gleichzeitig wirkenden Faktoren aus mehreren Bereichen der menschlichen Gesundheit bilden.

Erklärungsmodell
Im Allgemeinen kann dieses Erklärungsmodell als der Bio-psycho-soziale Ansatz beschrieben werden, welcher impliziert, dass biologische, psychologische als auch soziale Faktoren eine Rolle spielen bei der Entstehung von somatoformen Störungsbildern. Wichtig dabei ist, dass diese Faktoren nicht unabhängig voneinander funktionieren, sondern sich gegenseitig im Sinne von Wechselwirkungen beeinflussen.

Dies lässt sich auch vereinfacht unter dem Begriff Stress zusammenfassen, welcher sowohl psychischer als auch körperlich bedingt sein kann.

Aus neurologischer Sicht lassen sich diese zwei Quellen von Stress nur sehr schlecht trennen, was zu einer Verschmelzung der Stress- als auch der Schmerzempfindung und im Falle einer somatoformen Störung, auch zu einer Verschmelzung von psychischen und körperlichen Stresssymptomen führen kann. Konkret und etwas vereinfacht dargestellt, könnte dies zum Beispiel bedeuten, dass negative Emotionen körperliche Schmerzen auslösen. Die Schmerzschwelle ist abhängig von Grundemotionen, Dauer der Schmerzen und der Bahnung der Schmerzbahnen ins zentrale Nervensystem (Schmerzgedächtnis).

Wie bereits im ersten Teil dieser Reihe (Teil 1) erwähnt, liegen bei einer somatoformen Störung oftmals bereits psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Depression oder eine Angststörung vor. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die betroffenen Personen bereits einem stark erhöhten Stresserleben ausgesetzt sind und es speziell darauf ankommt, wie jeder einzelne Mensch mit diesem Stresslevel gelernt hat umzugehen (Coping-Strategien).

Mögliche Prädiktoren
Im Folgenden werden mögliche Ursachen aufgelistet. Dies stellt eine Sammlung an Faktoren dar, über welche betroffene Personen oft berichten. Diese müssen nicht zwingend auf Einzelfälle zutreffen:

  • Generell erhöhtes Stresserleben (Wechselwirkung zwischen Reaktion & Angst -> Verstärkung der Wahrnehmung)

  • Chronische Erkrankungen

  • Traumatisierungen, oft in der frühen Kindheit (Missbrauch; emotionale Vernachlässigung; Erlebnis von starken Schmerzen)

  • Substanzmissbrauch (Alkohol); auch als Versuch der Eigenmedikation (-Therapie)

Des Weiteren sind möglicherweise auch genetische Faktoren, wie zum Beispiel eine erhöhte Reaktivität des vegetativen Nervensystems, in die Entwicklung von somatoformen Störungen involviert. Dies ist aber nach wie vor Gegenstand aktueller Forschung.

Die Komplexität der Thematik rund um somatoforme Störungen wird dadurch erhöht, als dass Komorbiditäten (Teil 1) sehr eng mit den möglichen Ursachen für eine Erkrankung verwoben sind und sich die verschiedenen möglichen Ursachen untereinander stark beeinflussen können.

Da die Ursachen aus Wechselwirkungen von biologischen, psychischen und auch (psycho-)sozialen Faktoren bestehen, ist auch die Behandlung entsprechend komplex und oftmals schwierig. Im nächsten Teil diese Blogs soll detaillierter darauf eingegangen werden.

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