Soziale Phobien: Symptome & Diagnose

Soziale Phobien: Symptome & Diagnose

Ein Referat in der Uni, eine Präsentation vor den Kollegen – diese Situationen werden von den Personen, die dabei im Mittelpunkt stehen, häufig als etwas unangenehm empfunden. Die Vortragenden sind nervös und aufgeregt, Gedanken wie «Was ist, wenn ich mich verspreche?» oder «Hoffentlich werde mich nicht blamieren» gehen ihnen durch den Kopf. Vielleicht schlafen sie in der Nacht vor ihrem Vortrag nicht so gut oder haben ein flaues Gefühl in der Magengegend, kurz bevor es losgeht. Dieses Gefühl ist absolut normal, und fast jeder Mensch kennt das. 

Es gibt jedoch auch Menschen, bei denen diese Nervosität deutlich über das «normale» Mass hinausgeht. Betroffene leiden vor der übermächtigen Angst, sich vor anderen Menschen zu blamieren, und bekommen panikartigen Zustände, wenn sie sich in Situationen begeben müssen, in denen sie der Bewertung anderer Personen ausgesetzt sind – hierzu zählen nicht nur Situationen wie Vorträge vor einer Gruppe, sondern auch so scheinbar alltägliche Dinge wie «eine fremde Person nach dem Weg fragen», «am Telefon einen Termin ausmachen» oder «alleine zu einer Party gehen».

In unserem August-Blog möchten wir über das Thema «Soziale Phobien» berichten. Soziale Phobien gehören zu den Angststörungen und sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. In europäischen Studien liegt die Häufigkeit der sozialen Phobien bei vier bis zwölf Prozent in der Bevölkerung. Dabei sind Frauen etwas häufiger von einer sozialen Phobie betroffen als Männer.

Der erste von vier Teilen befasst sich mit den Symptomen und der Diagnose einer sozialen Phobie.

Symptome
Phobische Ängste sind immer auf ganz bestimmte Situationen oder Objekte gerichtet. Im Zentrum der sozialen Phobie steht die Angst, von anderen Menschen prüfend betrachtet und beurteilt zu werden. Dabei fürchten sich Sozialphobiker/-innen vor Kritik oder Ablehnung anderer Personen. Sie nehmen an, dass Mitmenschen sie als merkwürdig, lächerlich oder peinlich empfinden. Manchmal reicht sogar nur die Vorstellung von der Situation aus, um bei Betroffenen Angst auszulösen. Typische Auslöse-Situationen von sozialer Angst sind:

  • Reden vor Publikum / Vorträge / Präsentationen

  • fremde Leute treffen oder ansprechen

  • ein Gespräch / Small Talk führen

  • Gemeinsames Essen mit anderen Menschen

Zusammen mit der Angst treten so gut wie immer auch körperliche Symptome wie Schwitzen, Übelkeit, Zittern, Herzklopfen, Herzrasen oder vermehrter Harndrang auf. Bei einer besonders starken sozialen Phobie kann es auch zu Schwindelgefühlen, Atemnot und Panikattacken kommen. Oft besteht die Sorge, dass die körperlichen Angstsymptome für andere Personen sichtbar sind, weshalb die körperlichen Symptome die Angst vor der Beurteilung anderer Menschen zusätzlich verstärken. In vielen Fällen wird die Angst mit der Zeit so schlimm, dass Betroffene die gefürchteten Situationen komplett vermeiden und dafür teils auch deutliche Nachteile in Kauf nehmen. Somit kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem zunehmenden Vermeidungsverhalten, im schlimmsten Fall bis hin zur sozialen Isolation.

Diagnose
Soziale Phobien schränken die betroffenen Personen in ihrem Alltag und ihren Aktivitäten stark ein. Der Leidensdruck ist oftmals sehr gross. Auch verlaufen soziale Phobien ohne eine professionelle Behandlung häufig chronisch und können sogar lebenslang anhalten. Gleichzeitig sind gerade soziale Phobien ausgesprochen gut behandelbar. Deshalb ist es so wichtig, bei einem entsprechenden Verdacht  ärztliches oder psychologisches Fachpersonal aufzusuchen.

Die Diagnose einer sozialen Phobie wird in einem Gespräch mit der betroffenen Person basierend auf spezifischen Kriterien gestellt. Diese umfassen u.a. die folgenden wichtigen Punkte:

  • Die Betroffenen haben Angst vor negativer Beurteilung durch andere Menschen. Die Angst wird in öffentlichen Situationen oder gesellschaftlichen Gruppen verstärkt. Das führt dazu, dass soziale Situationen gemieden oder nur mit Mühe ausgehalten werden. Folglich sinkt die Lebensqualität der Betroffenen.

  • Die Ängste und Sorgen sind intensiv, verursachen einen Leidensdruck und schränken die Betroffenen in ihrem Alltag ein. Sie betreffen einen oder mehrere Lebensbereiche.

  • Die Betroffenen sind in der Lage, zu erkennen, dass ihre Ängste oder das dadurch verursachte Vermeidungsverhalten im Grunde genommen übertrieben oder unvernünftig sind. Gerade für Personen, die schon lange erkrankt sind, ist dies manchmal nicht mehr so leicht zu erkennen.

  • Ausserdem werden vom Fachpersonal andere mögliche psychische Störungen ausgeschlossen (z.B. Depressionen, andere Angststörungen).

Im zweiten von vier Teilen werden mögliche Ursachen einer sozialen Phobie vorgestellt.

Teil 2: Ursachen

Teil 3: Behandlung

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