Tic- und Tourette-Störungen: Behandlung

Im dritten von vier Blogs zum Thema stehen mögliche Behandlungsformen von Tic- und Tourette-Störungen im Vordergrund.

Teil 1: Symptome und Diagnosen

Teil 2: Ursachen 

Grundsätzliches zur Behandlung
Die meisten Tics sind vorübergehender Natur und dauern in der Regel lediglich Tage bzw. Wochen.Insgesamt ist die Prognose eines Tourette-Syndroms ungünstiger. Es kommt auch hier in Einzelfällen zu einer Remission, aber auch zu phasenhaftem, wiederkehrendem Auftreten.

Die Symptomatik einer Tic- und Tourette-Störung klingt oftmals im Laufe des Jugendalters ab. Ein wichtiges Element der Behandlung ist die Psychoedukation, dies bedeutet, ein Verständnis für das Krankheitsbild zu entwickeln. Sowohl die betroffene Person als auch ihr Umfeld sollten in diesen Prozess einbezogen werden. Es geht darum, dem Umfeld Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die betroffene Person im Alltag, aber auch emotional unterstützt werden kann. Diese Aufklärung hilft, die Symptomatik zu reduzieren und so prognostisch einen günstigeren Verlauf zu erzielen. Bei Fortbestehen der Symptomatik müssen psychotherapeutische und gegebenenfalls medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung gezogen werden.

Im ersten Teil dieser Blogreihe (Teil 1) wurde bereits erwähnt, dass Tic- und Tourette-Störungen häufig mit Begleiterkrankungen wie zum Beispiel ADHS einhergehen. Hierbei sollte beachtet werden, welches Krankheitsbild bzw. welche damit verbundene Symptomatik im Vordergrund steht. Diese sollte als erstes behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung
Grundsätzlich liegt bei einer Tic-/Tourette-Störung eine stark erhöhte Dopamin-Aktivität (Teil 2) vor. Entsprechend setzt die medikamentöse Therapie hier an. Es werden daher oft so genannte Dopaminantagonisten (Dopamingegenspieler) verwendet, um die dopaminassoziierte Wirkung abzuschwächen. Wie vorangehend beschrieben, kann auch medikamentös bei einer komorbiden Störung angesetzt werden, um die Symptomatik zu verringern (bspw. medikamentöse Behandlung eines ADHS).

Neurologische Behandlungsmöglichkeiten
Aufgrund der neurobiologischen Komponente des Störungsbildes (Teil 2) werden selten und nur bei sehr ausgeprägten Fällen neurochirurgische Eingriffe durchgeführt. Der Erfolg der Methode ist umstritten. Bei Erwachsenen kann die so genannte Methode der ‘tiefen Hirnstimulation’ angewendet werden, eine invasive Methode, die entsprechend mit grossem Aufwand verbunden ist. Gegenwärtig wird noch wissenschaftlich untersucht, inwiefern Neurofeedback, als non-invasive Hirnstimulation, allenfalls einen positiven Effekt hat.

Psychotherapie
Neben der Psychoedukation haben sich verhaltenstherapeutische Ansätze, die sich auf die konkreten Symptome konzentrieren, als wirksamste Behandlungsvariante erwiesen. Die Methode des "habit reversal" wird hierbei empfohlen. Übersetzt werden kann der Begriff mit Reaktionsumkehr. Da der Drang zu einer Bewegung nicht vermieden werden kann, wird bei der Reaktionsumkehr die Tic-Bewegung durch eine alternative Bewegung ersetzt, die sozial weniger stigmatisierend ist. Konkret könnte dies bedeuten, dass der Tic eines plötzlichen, heftigen Schleuderns des Arms mit der Gegenbewegung des Drückens des Ellenbogens gegen die Hüfte vermindert werden könnte. Eine andere Möglichkeit wäre, dass dem Blinzeln das langsame Schliessen und anschließend das weite Öffnen der Augenlider entgegengesetzt werden kann. Weitere Bestandteile der Therapie sind auch Selbstwahrnehmungs- und Entspannungstraining. Wichtig ist, diese neu erlernten Bewegungsmuster in den Alltag zu transferieren und zu integrieren.

Nach aktuellen Leitlinien sollten Personen, die an einer Tic- und/oder Tourette-Störung leiden, je nach Schweregrad sowohl psychotherapeutisch als auch medikamentös behandelt werden. Es wird aber weitere Forschung brauchen, um das Krankheitsbild noch effektiver behandeln zu können.

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