Trauer nach einem Verlust: Umgang mit Trauer

Im dritten Teil zum Thema Trauer werden Strategien und Hilfestellungen zum Umgang mit Trauer vorgestellt.

Teil 1: Auswirkungen von Trauer

Teil 2: Trauerphasen

Umgang mit Trauer
Trauer ist ein dynamischer Prozess, der verschiedene Phasen durchläuft. Es ist wichtig für die Gesundheit, diesen Prozess zuzulassen. Bis ein neues Gleichgewicht hergestellt wird, können mehrere Jahre vergehen. Die Trauer wird also für eine längere Zeit Teil des Alltags sein. Es ist wichtig, dieses Gefühl zu akzeptieren und nachsichtig mit sich selber zu sein. Man darf es sich erlauben, sich besonders viel Gutes zu tun und Verhaltensweisen beizubehalten, die einem helfen. Dies kann ein tägliches Telefonat mit nahestehenden Personen sein oder ein häufiges Aufsuchen von Orten, die gemeinsame Erinnerungen mit der verstorbenen Person wachhalten.

Zur Akzeptanz des Schmerzes und der unangenehmen Gefühle gehört, diese nicht mit Alkohol oder anderen Substanzen zu betäuben. Tabletten sollten nur in Absprache mit einer Fachperson in einem kontrollierten Rahmen eingenommen werden. Eine bessere Strategie zur Bewältigung ist zum Beispiel das Führen eines Tagebuches, in dem alle Gefühle niedergeschrieben werden können. Es gibt auch Selbsthilfegruppen, in denen sich Menschen, die einen Verlust erlitten haben, austauschen können. Es kann sehr hilfreich sein, zu hören, dass auch andere Menschen diese Prozesse durchmachen und es eines Tages leichter werden wird.

Vorerst sollten Betroffene von grossen Entscheidungen wie einem Umzug oder Stellenwechsel absehen. Eine gewohnte Umgebung kann Trost spenden, und der zusätzliche Stress, den grosse Veränderungen mit sich bringen, sollte vermieden werden. Stattdessen kann es hilfreich sein, sich einen Tagesplan zu erstellen, zum Beispiel um die vielen organisatorischen Dinge, die anstehen, herunterzubrechen und Schritt für Schritt anzugehen. Es ist auch wichtig, die Freizeit zu planen, um Zeit mit nahestehenden Personen zu verbringen und sich Erholung zu gönnen. Viele Menschen laufen während der Trauer Gefahr, ihre sozialen Kontakte zu vernachlässigen. Diese sind jedoch in schweren Zeiten besonders wichtig, um Trost und Unterstützung zu erhalten.

Falls die Trauer zu überwältigend wirkt oder Betroffene an ihre Grenzen stossen, so darf jederzeit professionelle Hilfe in Anspruch genommen zu werden. Es kann hilfreich sein, mit einer neutralen Person über den Verlust zu sprechen und konkrete Hilfestellungen zu erhalten.

Zuletzt ist es wichtig, regelmässig ausgewogene Mahlzeiten zu sich zu nehmen und leichte Spaziergänge zu machen. Auch wenn vielen Betroffenen der Sinn gar nicht nach Essen und Bewegung steht, so sind es diese kleinen Dinge, die das Wohlbefinden letztendlich etwas anheben und den Trauerprozess erträglicher machen.

Hilfestellung für Angehörige
Es ist nicht einfach, die richtigen Worte zu finden, wenn jemand einen Verlust erlitten hat. Viele Angehörige wollen helfen, aber keinesfalls unsensibel sein oder das Falsche sagen. Es ist jedoch hilfreich für den Trauernden, wenn die Angehörigen nach seinem Befinden fragen und ihm ehrliches Interesse entgegenbringen. Es kann eine Entlastung darstellen, wenn Angehörige direkt und ernst mit dem Thema umgehen. Für die Angehörigen ist der beste Ratschlag, die Trauernden anzunehmen in der Phase, die sie gerade durchmachen. Das heisst, zuzuhören und auch einmal Stille zuzulassen. Trauernde können sich meist nicht gut auf Anekdoten von Angehörigen oder  anderweitige Ablenkungen einlassen, wenn sie von starken Gefühlen eingenommen sind. Es sollte ihnen die Zeit gelassen werden, die sie brauchen.

Aus Betroffenheit kann es passieren, dass Angehörige die Erwähnung des Verstorbenen vermeiden. Allerdings ist der Verlust allzeit präsent bei der trauernden Person, und es hilft, darüber zu sprechen. Ein offener Umgang mit dem Verlust unterstützt die Verarbeitung.

Es ist auch wichtig, die Art der Trauer zu akzeptieren. Menschen reagieren unterschiedlich auf einen Verlust. Angehörige sollten die Art der Trauer nicht werten, sondern hinnehmen. Erst bei gesundheitsschädigendem Verhalten sollte gemeinsam mit dem Trauernden in Erwägung gezogen werden, professionelle Unterstützung hinzuzuziehen. Manchmal fällt es Trauernden schwer, sich Hilfe zu holen. Angehörige dürfen wiederholt konkrete Hilfe anbieten, wie zum Beispiel kochen, putzen oder einkaufen. Da Trauernde zur sozialen Isolation neigen, ist es wichtig, immer wieder auf sie zuzugehen und Verständnis für sie aufzubringen.

Letztendlich gibt es kein Richtig oder Falsch, jede Art der Unterstützung ist hilfreich bei einem Verlust.

Behandlung einer komplizierten Trauer
Tritt eine komplizierte Trauer auf, so ist das Aufsuchen von Fachleuten sehr empfehlenswert. Hilfreich bei der Bewältigung sind Einzel- sowie Gruppentherapien, die auf der kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Häufig verwendete Interventionen sind Konfrontation, kognitive Restrukturierung und Verhaltensaktivierung. Besonders bewährt haben sich das expressive Schreiben sowie die soziale Aktivierung.

Für mehr Informationen und Hilfestellungen wenden Sie sich an unsere Beratungsstelle.

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