Trichotillomanie: Behandlung

Trichotillomanie: Behandlung

Teil 1: Symptome

Teil 2: Ursache und Diagnose


Die Trichotillomanie kann bei Betroffenen zu einem erheblichen Leidensdruck führen. Viele Betroffene schämen sich für die Störung und probieren sie vor ihrem Umfeld zu verbergen. Insbesondere die Ausdünnung der Haare erleben viele als belastend und versuchen dies mit Frisuren, Perücken oder Kopfbedeckungen zu verstecken. Die Scham und Angst, entdeckt zu werden, können Betroffene in ihrem Leben stark einschränken. Sie vermeiden in der Folge z.B. Friseurbesuche, das Schwimmbad oder Sport in der Öffentlichkeit. Andere kämpfen mit dem Kontrollverlust und gescheiterten Versuchen, das Ausreissen der Haare zu reduzieren. Doch es gibt Therapieformen, die sich bei der Behandlung von Trichotillomanie bewährt haben.

Behandlung
Der Vorgang des Haareausreissens passiert häufig automatisiert und ist schwer kontrollierbar. Dennoch kann die Handlung prinzipiell gesteuert werden und da setzt die Behandlung an. Zumeist kommt eine kognitiv-behaviorale Therapieform zum Einsatz. Die Behandlung wird individuell an den Patienten und Patientinnen angepasst, da die auslösenden und begünstigenden Faktoren sehr vielfältig sein können. Wenn beispielsweise Ängste in sozialen Situationen mit Trichotillomanie zusammentrifft, kann am Selbstvertrauen und der sozialen Kompetenz in der Interaktion mit anderen Menschen gearbeitet werden. Sollte jedoch ein traumatischer Vorfall die Störung ausgelöst haben, gilt es vor allem, das Trauma zu behandeln.

Die Behandlung der Trichotillomanie erfolgt symptomorientiert. Eine bewährte, angepasste Verhaltenstherapie ist die Habit Reversal Therapie. Diese Behandlungsart wurde ursprünglich zur Behandlung von Tics entwickelt und greift auf der Verhaltensebene an. Inzwischen kommt sie jedoch auch bei zwanghaftem Nägelkauen, Daumenlutschen und Trichotillomanie zum Einsatz. Das Habit Reversal Training basiert auf verschiedenen Techniken; die Selbstbeobachtung und -wahrnehmung sowie das Erlernen alternativer Verhaltensweisen stehen im Vordergrund. Ergänzend wird häufig ein Entspannungstraining durchgeführt, um die innere Anspannung abzubauen und somit die Impulse zum Haareausreissen abzuschwächen. Zu den Techniken gehört einerseits das Aufmerksamkeitstraining, das den Fokus auf die Selbstbeobachtung und das Registrieren des genauen Handlungsablaufs legt. Bei der Selbstbeobachtung versucht die betroffene Person, die auslösende Situation, Gedanken und Gefühle zu identifizieren. Daraufhin übt die betroffene Person konkurrierende Verhaltensweisen ein. Konkurrierende Verhaltensweisen sind Handlungen, die es verunmöglichen, dem Impuls des Haareausreissens nachzugehen. Diese konkurrierende Verhaltensweise wird während mindestens zwei Minuten oder bis der Impuls nachlässt, ausgeführt. Eine ergänzende Technik ist das Entspannungstraining. Dazu gehört beispielsweise die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Beim Entspannungstraining wird geübt, einen Zustand der Entspannung zu erreichen. Dies hilft, innere Spannung abzubauen. Nach dem Training kann dieser Entspannungszustand bewusst herbeigeführt, was sich positiv auf die Symptomatik auswirkt. Eine weitere Technik befasst sich mit der Verstärkung. Sie fokussiert sich auf die positiven Konsequenzen, wenn dem Impuls nicht nachgegeben wird. Zuletzt wird häufig ein Generalisierungstraining durchgeführt, das die Anwendung der Techniken in Alltagssituationen ermöglicht.

Ähnlich funktioniert die Entkopplungsmethode. Bei der Entkopplungsmethode wird die unerwünschte Handlung durch eine andere, nicht schädliche Handlung ersetzt. Dabei wird berücksichtigt, dass die neue Handlung dem Ausreissen der Haare anfangs ähnlich ist. Dies erleichtert es Betroffenen, eine Handlung durch die andere zu ersetzen. Damit kann schrittweise vom Ausreissen der Haare auf eine andere Handlung umgekoppelt werden.

Die Behandlung mit Medikamenten ist bisher keine gängige Methode. Es gibt Überlegungen, die den Einsatz von so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer als mögliche Behandlungsmethode in Erwägung ziehen. Hintergrund dafür ist die Annahme, dass ein Mangel des Neurotransmitters Serotonin mit der Ausbildung von Trichotillomanie in Verbindung stehen könnte. Die Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhöht die Konzentration von Serotonin im Gehirn und kann so einem Serotoninmangel entgegenwirken. Diese Behandlung hat sich bisher vor allem bei Zwangsstörungen bewährt.

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