Sport und psychische Gesundheit: Wechselwirkung bei Erwachsenen

Sport und psychische Gesundheit: Wechselwirkung bei Erwachsenen

Teil 1: Die physiologische Wirkung

Psychische Erkrankungen stehen häufig in Zusammenhang mit körperlichen Komorbiditäten oder einem inaktiven Lebensstil. Regelmässige körperliche Aktivität verbessert das psychische Wohlbefinden, kann der Entstehung psychischer Erkrankungen vorbeugen oder die Symptome bestehender psychischer Erkrankungen mindern. Der Förderung eines aktiven Lebensstils kommt daher bei der Behandlung psychischer Erkrankungen eine besondere Bedeutung zu. Positive Zusammenhänge können bei verschiedenen Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und Schlafstörungen identifiziert werden.

Psychische Erkrankungen und die Wirkung von Sport bei Erwachsenen
Sport wirkt positiv auf den Verlauf einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen. Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Bei depressiven Störungen lässt sich eine positive Wirkung von Sport auf die Entstehung wie auch den Verlauf einer bestehenden Störung nachweisen. Regelmässige körperliche Aktivität kann das Risiko, an einer Depression zu erkranken, um bis zu 20% senken. Dieser Effekt lässt sich bereits bei leichter körperlicher Aktivität nachweisen, die Stärke des Effekts steigt jedoch mit der Intensität und Häufigkeit der körperlichen Bewegung. Bei einer leichten bis mittelgradigen depressiven Störung kann ein Ausdauertraining über drei Tage die Woche zu 40 bis 60 Minuten über 10 Wochen hinweg ähnlich wirksam wie eine Pharmako- oder Psychotherapie wirken. Eine Kombination der klassischen Behandlungsmethoden mit körperlicher Aktivität ist besonders empfehlenswert. Die körperliche Aktivität bringt weitere Vorteile mit sich. Die Betroffenen nehmen dadurch regelmässige Termine wahr, was einen geregelten Tagesablauf unterstützt. Zudem ist es eine Gelegenheit, das Haus zu verlassen und somit förderliche Gewohnheiten zu bilden.

Angststörungen gehören ebenfalls zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Effekte von Sport auf Angststörungen sind weniger klar belegt als die Effekte von Sport auf depressive Störungen. Dennoch lässt sich ein positiver Effekt von Sport in Kombination mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden nachweisen. Diese Effekte können bei der sozialen Phobie, Agoraphobie, Panikstörung, generalisierten Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörung nachgewiesen werden. Sport hilft dabei, sich von Sorgen und Ängsten abzulenken, da die Aktivität die Gedanken in Beschlag nimmt. Die körperliche Aktivität fördert den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit. Bei Angsterkrankungen kann Sport im ersten Moment mit der Erkrankung selbst in Verbindung gebracht werden. Das Schwitzen, der schnelle Herzschlag und Atmung können sich sehr ähnlich anfühlen wie Angstzustände. Es kann anfänglich Überwindung kosten, um sich darauf einzulassen. Im Verlauf können jedoch korrektive Erfahrungen gemacht werden und das Gefühl von Kontrolle wird gestärkt.

Suchterkrankungen vermindern die Lebensqualität und führen zu einer höheren Mortalität. Gesellschaftlich gesehen verursachen sie hohe Gesundheitskosten. Auch bei Suchterkrankungen gibt es erste Hinweise, dass körperliche Aktivität einen positiven Effekt auf den Verlauf der Erkrankung haben könnte. Der Körper schüttet beim Sport Dopamin aus, was den Betroffenen Glücksgefühle, die nicht in Zusammenhang mit der Sucht stehen, ermöglicht. Zudem kann die körperliche Aktivität den Spannungszuständen, die bei einem Entzug häufig auftreten, entgegenwirken. Wichtig zu beachten ist, dass Sport nicht als Flucht vor Gefühlen oder kritischen Situationen genutzt wird, sondern einen ausgewogenen Bestandteil der Tagesstruktur darstellt.

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die eine sehr starke Beeinträchtigung nach sich zieht. Sie tritt zumeist im jungen Alter erstmals auf und bleibt in der Regel über das ganze Leben hinweg bestehen. Die Versorgung von Betroffenen gestaltet sich herausfordernd, da es eine hohe Komorbidität mit kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen gibt. Dies kann zu einem Teil auf antipsychotische Medikamente zurückgeführt werden, die häufig metabolische Nebenwirkungen nach sich ziehen. Die körperliche Aktivität kann sowohl die Positiv- als auch Negativsymptome der Schizophrenie lindern, die kardiovaskulären und metabolischen Voraussetzungen verbessern, die Lebensqualität erhöhen und das kognitive Leistungsvermögen verbessern. Entsprechend ist die sportliche Aktivität ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung einer Schizophrenie.

Sport hat nachweislich einen positiven Effekt auf die kognitive Leistung. In verschiedenen Studien konnten Effekte auf die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis sowie die exekutiven Funktionen und die globale Kognition gefunden werden. Diesen Befunden kommt auch im Zusammenhang mit der Entstehung kognitiver Störungen wie beispielsweise der Demenz eine besondere Bedeutung zu. Regelmässige sportliche Aktivität geht mit einem reduzierten Risiko an Demenz zu erkranken einher. Des Weiteren wird angenommen, dass Sport einen positiven Effekt auf bestehende Demenz-Erkrankungen hat. 

Zuletzt hat Sport einen positiven Effekt auf den Schlaf. Schlafstörungen erhöhen das Risiko, eine körperliche oder psychische Erkrankung zu entwickeln. Zudem sind Schlafstörungen ein Symptom diverser psychischer Erkrankungen. Bei Schlafstörungen ist es immer wichtig, mögliche Erkrankungen, die damit zusammenhängen, zu identifizieren. Regelmässige körperliche Aktivität verbessert die Einschlafzeit, Gesamtschlafzeit, Schlafeffizienz und die Schlafqualität. Dies wirkt sich positiv auf die allgemeine Gesundheit und insbesondere die kognitive Leistungsfähigkeit aus.

Teil 3: Wechselwirkung bei Kindern und Jugendlichen

Teil 4: Geschichte eines Patienten

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