rTMS: Geschichte eines Patienten

rTMS: Geschichte eines Patienten

Zum ersten Mal trat Herr W. aufgrund einer Erschöpfungsdepression in eine Akutstation der Clienia Schlössli ein. Nach einer intensiven Therapie steht nun der Austritt bevor. Täglich wurde in den letzten drei Wochen eine rTMS-Behandlung durchgeführt, für  den Patienten eine neue Erfahrung. Er erzählt hier seine Geschichte.

«Ich bin selbst in die Klinik eingetreten. Das hatte sich über eine längere Zeit angebahnt, quasi aufsummiert, bis es nicht mehr ging. Beruflich und familiär war mir einfach alles zu viel. Darunter hat die Beziehung zu meinen beiden kleinen Kindern und meiner Partnerin stark gelitten. Es wäre so nicht mehr weiter gegangen. Schon beim Eintritt habe ich mir vorgenommen, es möglichst ohne Medikamente zu versuchen. Ich habe das Gefühl, dass ich so besser spüre, wie es mir geht. Das habe ich auch tatsächlich geschafft. Nach einigen Gesprächen hat mir mein Oberarzt die rTMS vorgeschlagen. Das Konzept hat mich überzeugt und ich wollte es ausprobieren. Zuerst waren Untersuchungen nötig: ein Bild des Kopfes (MRI) und eine Elektroenzephalographie (EEG). Hinzu kamen weitere Abklärungen, um mögliche Risiken vor der Behandlung zu reduzieren. Auch hatte ich die Station im Verlauf gewechselt und trat dann auf eine auf Depressionsbehandlung spezialisierte Therapiestation über.

In meinem privaten Umfeld ist kaum jemandem bewusst, dass es diese Behandlungsmethode gibt. Die Behandlung kann im «Schlössli» durchgeführt werden. Ich habe 15 Behandlungen bekommen, während drei Wochen täglich, ausser an den Wochenenden. Die erste Behandlung war speziell, weil da auch die Reizschwelle bestimmt wird, um die notwendigen Einstellungen für die Behandlung zu machen. Sobald das einmal eingestellt ist, bleiben die Impulse immer gleich stark. Ich persönlich habe zum Beispiel eine etwas hohe Reizschwelle: Ich bekomme daher Impulse über eine etwas längere Zeit, bei mir sind es jeweils zehn Minuten pro Sitzung.

Am Anfang fand ich es unangenehm, mir wurde schwindlig, ich hatte Kopfschmerzen. Aber schon nach der ersten Behandlung hatte ich zwei oder drei Stunden später ein angenehmes Gefühl. Am treffendsten dafür ist vielleicht der Begriff einer «aufgeräumten Stimmung». Über die drei Wochen der Behandlung habe ich vor allem gemerkt, dass ich viel weniger Stimmungsschwankungen habe.

Ich denke, rTMS ist nur ein Teil des Behandlungserfolgs, denn ich bekomme ja auch Psychotherapie und habe zudem Distanz von meinem Alltag. rTMS war für mich kein Wundermittel, aber in Kombination mit der restlichen Behandlung hat es sehr viel gebracht. Ich blicke zuversichtlich nach vorne und freue mich, wieder heimzugehen.»

rTMS Teil 1: Definition

rTMS Teil 2: Durchführungsweise und Anwendungsgebiete

rTMS Teil 3: Vor- und Nachteile, Risiken und Prognose

 
 
 

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