Panikstörung: Therapie

Panikstörung: Therapie

Der dritte Beitrag zum Thema Panikstörung befasst sich mit den Therapiemöglichkeiten. Vorgestellt werden die Psychotherapie und die medikamentöse Therapie.

Teil 1: Symptome
Teil 2: Ursachen

Eine Panikstörung kann je nach Ausprägung starke Beeinträchtigungen im Lebensalltag mit sich bringen. Die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen leidet unter der Erkrankung. Die Ausführung des Berufs kann aufgrund der Angstzustände und wiederkehrenden Panikattacken eingeschränkt oder gar verhindert werden. Auch das Sozialleben leidet oft, in schweren Fällen verlassen Betroffene das Haus nicht mehr und sind dadurch auch sozial isoliert. Im Rahmen einer Therapie können diese Problembereiche adressiert und ganz konkrete Ziele angestrebt werden. Dazu gehört, die Angstsymptome zu lindern, das Vermeidungsverhalten zu reduzieren, Einschränkungen im Alltag zu überwinden oder die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Als Therapiemöglichkeiten kommen sowohl die Psychotherapie als auch eine medikamentöse Therapie in Frage.

Behandlung der Panikstörung mittels einer Psychotherapie
Als Behandlungsform kommt bei einer Panikstörung zumeist die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz. Diese Therapieform unterstützt die kritische Hinterfragung und Veränderung von automatischen Denkmustern. Gewisse Denkmuster, die sich in einem frühen Alter bilden, begünstigen die Entstehung und Aufrechterhaltung von Angst. Sie laufen in bestimmten Situationen automatisch ab und lösen bei der betroffenen Person Angst aus. Im Kontext einer Panikstörung könnte ein automatisches Denkmuster beispielsweise sein, dass Herzklopfen als ein Anzeichen für eine ernstzunehmende Erkrankung bewertet wird, was anschliessend Angst auslöst. Mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie kann das Herzklopfen als normale Reaktion auf körperliche Anstrengung neu-bewertet und das automatische Denkmuster, das zuvor Angst ausgelöst hat, in eine neue Richtung gelenkt werden.

Ein weiterer Teil der kognitiven Verhaltenstherapie bildet die Psychoedukation. Psychoedukation bedeutet, dass den Betroffenen erklärt wird, wie eine Panikstörung entsteht und durch was sie sich auszeichnet. Sie dient der Informationsvermittlung und soll das Krankheitsverständnis der Betroffenen verbessern. Wissen und Verständnis über die Mechanismen einer Erkrankung wirken meist angstreduzierend.

Eine weitere wichtige Komponente bei der Behandlung von Panikstörungen ist die Expositionstherapie. Bei der Expositionstherapie werden zuerst die Hintergründe der Angsterkrankung herausgearbeitet und anschliessend die angstauslösenden Situationen gemeinsam mit dem Therapeuten besprochen und zusammengetragen und auch das Vermeidungsverhalten, das die Angst aufrechterhält, identifiziert. Nach einer ausführlichen Vorbereitung setzen sich die Betroffenen in therapeutischer Begleitung den verschiedenen angstauslösenden Situationen bewusst aus. Ziel ist es, die Situation ohne Vermeidungsverhalten zu ertragen, bis die Angst sich wieder abbaut. Hintergrund dieser Herangehensweise ist die Tatsache, dass die physiologische Veranlagung jedes Menschen es verunmöglicht, intensive Angst auf Dauer zu empfinden. Nach kurzer Zeit werden die Stresshormone, die den Angstzustand auslösen, wieder abgebaut und das Angsterleben verschwindet daraufhin schrittweise. Dies ermöglicht Betroffenen, eine korrektive Erfahrung zu machen und zu Erkennen, dass keine tatsächliche Gefahr besteht und die Angst, ganz egal, ob man etwas dagegen tut oder nicht, auch von sich nach einer Zeit automatisch wieder verschwindet. Dadurch wird auch die “Angst vor der Angst” reduziert. Betroffene fürchten nämlich häufig, dass die Angst ins Unermessliche steigen wird, falls sie nichts dagegen tun. Die Erfahrung, dass dies nicht so ist, kann der “Angst vor der Angst” entgegenwirken.

Neben der kognitiven Verhaltenstherapie kann auch die tiefenpsychologische Therapie angewandt werden. Bei diesem Ansatz liegt der Schwerpunkt darauf, verschüttete oder verdrängte Konflikte oder Erlebnisse aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Diese Erlebnisse oder Konflikte können eine (Mit-)Ursache für die Entstehung einer Panikstörung darstellen und deren Bearbeitung so zur Reduktion der Symptome führen.

Weiter werden achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Ansätze angewandt. Diese legen den Fokus darauf, die aktuellen Beschwerden nicht möglichst rasch “wegtherapieren” zu wollen, sondern diese und auch die eigenen Gedanken und Gefühle erst einmal anzunehmen und zu akzeptieren. Dies kann ebenfalls zu einer Entlastung und so indirekt zu einer Verbesserung der Beschwerden führen.

Medikamentöse Therapie
Bei der Panikstörungen kommen manchmal zusätzlich zur Psychotherapie, und in wenigen Fällen auch ohne Psychotherapie, Medikamente zum Einsatz. Die wichtigste Medikamentengruppe, die bei einer Panikstörung verschrieben wird, sind Antidepressiva. Antidepressiva haben einen positiven Einfluss auf die Häufigkeit der Panikattacken wie auch auf deren Schwere. Deren Wirkung tritt meist erst ein paar Wochen nach der regelmässigen Einnahme ein. Sie eignen sich daher nicht zur kurzfristigen Behandlung. Antidepressiva werden nach der Besserung der Symptome weiterhin für einige Monate eingenommen, um das Risiko einer erneuten Verschlechterung resp. von Rückfällen zu verringern. In Ausnahmefällen werden zur Akutbehandlung zudem Benzodiazepine (Tranquilizer) verschrieben. Dies kann Sinn machen, wenn die Panikattacken sehr häufig auftreten und eine schwere Form annehmen. Benzodiazepine wirken angstlösend und können daher eine schnelle Linderung der Symptome ermöglichen. Sie können aufgrund der guten Wirksamkeit bei einer regelmässigen Einnahme jedoch zu einer Medikamentenabhängigkeit führen und somit das Problem noch verstärken. Benzodiazepine sollten also kontrolliert und nur in Ausnahmefällen und in Begleitung mit anderen therapeutischen Massnahmen zum Einsatz kommen.

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