Psychotherapie im Alter: häufigste psychische Erkrankungen und Behandlungen

Psychotherapie im Alter: häufigste psychische Erkrankungen und Behandlungen

Im zweiten Beitrag zum Thema Psychotherapie im Alter werfen wir einen Blick auf die häufigsten psychischen Erkrankungen und ihre Behandlung.

Teil 1: Risikofaktoren für eine psychische Erkrankung

Der Anteil an älteren Personen in der Gesellschaft nimmt immer mehr zu. Analog kommt der psychotherapeutischen Behandlung älterer Menschen immer mehr Bedeutung zu. Ungefähr ein Viertel der Personen im Rentenalter leidet an einer psychischen Erkrankung. Zu den typischen psychischen Erkrankungen im Alter gehören Demenzerkrankungen, Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen und psychotische Störungen. Demenzerkrankungen und Depressionen sind die zwei häufigsten Störungen im Alter. Die Symptome einer Altersdepression unterscheiden sich von den Symptomen einer Depression im frühen bis mittleren Erwachsenenalter insofern, dass ältere Personen eher körperliche Beschwerden äussern als die typischen Depressionssymptome wie Interessenverlust, Antriebsminderung und Freudlosigkeit. Zudem sind häufig andere Auslöser Grund für die Erkrankung. Entsprechend werden diese Unterschiede in der psychotherapeutischen Behandlung berücksichtigt. Bei älteren Menschen ist es besonders wichtig, psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, da es sonst oftmals zu einer frühzeitigen Institutionalisierung sowie zu womöglich vermeidbaren Abklärungen und Fehlbehandlungen kommt. Eine Schwierigkeit der Diagnostik psychischer Störungen im Alter stellt die Unterscheidung zwischen psychischen und körperlichen Symptomen dar. So kommt es zum Beispiel häufig dazu, dass Symptome einer Depression als alterstypische Erscheinungen fehlinterpretiert werden. Dazu gehören zum Beispiel Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Interessenverlust. Auch neurokognitive Symptome bedingen einer genauen Untersuchung, um eine alterstypische Abnahme von einer pathologischen Verschlechterung zu unterscheiden. Eine weitere Schwierigkeit stellt die generationsbedingte Auffassung psychischer Erkrankungen dar. Ältere Generationen fassen die Diagnose psychischer Erkrankungen als stigmatisierend auf und tendieren zur Ausbildung körperlicher Beschwerden, auch wenn diesen psychische Probleme zugrunde liegen.

Demenzerkrankungen und ihre Behandlung
Eine der häufigsten Störungen im Alter sind die Demenzerkrankungen. Demenzerkrankungen sind von einer fortschreitenden Abnahme der kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet. Es gibt unterschiedliche Formen der Demenz, dazu gehören die Alzheimer Demenz, vaskuläre Demenz, frontotemporale Demenz und sekundäre Demenz. Die Demenz tritt zumeist erst ab dem Rentenalter auf. Die Behandlung einer Demenzerkrankung stützt sich auf die medikamentöse Therapie, die psychologische Behandlung und ökologische sowie soziale Interventionen. Die medikamentöse Therapie hat zum Ziel, die kognitiven Funktionen möglichst lange zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Mithilfe der psychologischen Behandlung soll das Wohlbefinden der betroffenen Personen verbessert werden, und sie sollen bei der Bewältigung der Krankheit unterstützt werden. Eine besondere Bedeutung kommt der Validierung der Wahrnehmung der Betroffenen und der Selbst-Erhaltungs-Therapie zu. Die Selbst-Erhaltungs-Therapie soll es den Betroffenen ermöglichen, ihr Selbst und damit noch vorhandene kognitive, emotionale und soziale Kompetenzen zu erhalten. Dies geschieht über angepasste Kommunikation mit den Betroffenen, verstärkte Bezugnahme auf persönliche Erinnerungen und Partizipation am alltäglichen Leben mit möglichst passgenauer Ansprache der individuellen Fähigkeiten. Die ökologischen und sozialen Interventionen beziehen sich auf die Umgebung von Demenzerkrankten. Dabei soll die Umgebung möglichst vertrauenerweckend, aber auch stimulierend sein. Dies kann entweder zuhause oder in einer Pflegeinstitution eingerichtet werden. Eine grosse Bedeutung kommt zudem den sozialen Kontakten und Familienbesuchen zu.

Depressionen im Alter und ihre Behandlung
Eine Depression bezeichnet einen psychischen Zustand, gezeichnet von Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit. Eine Besonderheit der Depression im Alter ist, dass sich Symptome oft körperlich äussern. Dazu gehören unspezifische Symptome wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Schwindelanfälle oder Magen-Darm-Beschwerden. Die typische affektive Beeinträchtigung rückt dabei in den Hintergrund und zeigt sich nur schleichend. Die Auslöser einer Altersdepression sind divers, dazu gehören Rollenverluste, nicht erfolgte Anpassungsleistungen und der Verlust nahestehender Personen. Es ist besonders wichtig, dass eine Depression im Alter rechtzeitig erkannt und behandelt wird, da sie mit einem erhöhten Suizidrisiko insbesondere bei Männern einhergeht. Die Behandlung einer Depression erfolgt mittels medikamentöser Therapie, Psychotherapie und sozialer Unterstützung. Ziel der Psychotherapie ist die Verbesserung der Lebensqualität und des Umgangs mit der Erkrankung. Die medikamentöse Therapie unterstützt dies. Zu beachten sind mögliche Wechselwirkungen der Antidepressiva mit weiteren Medikamenten. Zudem muss berücksichtigt werden, dass der Stoffwechsel im Alter verändert funktioniert. Daher ist eine tiefere Dosis als bei Personen des frühen und mittleren Erwachsenenalters anzuwenden. Allerdings kann es auch sein, dass ältere Patienten eine höhere Dosis benötigen, da die Absorption aus dem Darm erschwert sein kann. Zuletzt ist die soziale Unterstützung durch das familiäre Umfeld und sozialpsychiatrische Fachpersonen wichtig. Das soziale Umfeld sollte die Erkrankung ernst nehmen und die betroffene Person im Alltag so gut wie möglich unterstützen. Bereits ein regelmässiger Besuch kann einen grossen Unterschied machen.

Teil 3: Besonderheiten der Psychotherapie im Alter

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