Verhaltenssüchte: Symptome und Diagnose

Im ersten Teil zum Thema Verhaltenssüchte werden die Symptome und die Diagnosestellung dargestellt.

Viele Menschen gehen gerne Shoppen oder spielen Computerspiele. Kommt das Verhalten in angemessenen Zeitabständen vor, nimmt eine durchschnittliche Dauer an und führt zu keiner Beeinträchtigung im Alltag, so ist das unproblematisch. Allerdings kann sich solches Verhalten in eine Sucht verwandeln. Dann sprechen wir von einer Verhaltenssucht. Eine Verhaltenssucht kennzeichnet sich durch ein starkes Verlangen, Kontrollverlust über die Dauer und Weiterführung trotz negativer Konsequenzen aus. Eine Verhaltenssucht kann Schwierigkeiten in sozialen, beruflichen und finanziellen Bereichen verursachen. Zu den Verhaltenssüchten gehören Glücksspielsucht, Kaufsucht, Sexsucht, Medienabhängigkeit sowie Computerspielsucht. Gemäss ICD-11 werden die Glücksspielsucht sowie die Spielsucht aufgeführt.

Allgemeine Symptome einer Verhaltenssucht
Die Symptome einer Verhaltenssucht sind den Symptomen einer stoffgebundenen Abhängigkeit sehr ähnlich. Die Betroffenen verspüren ein starkes Verlangen nach der Tätigkeit. Sie erleben während der Ausführung des Verhaltens einen Kontrollverlust. Das heisst, sie haben Schwierigkeiten, die Dauer und Beendigung des Verhaltens zu steuern. Das Verhalten wird trotz negativer Konsequenzen, wie zum Beispiel finanziellen Schwierigkeiten oder Verlust sozialer Kontakte, weitergeführt. Es braucht immer mehr, um das gewünschte Gefühl zu erlangen, was zu einer zunehmenden Eskalation führt. Andere Interessen und Hobbys werden zugunsten der Verhaltenssucht vernachlässigt. Es kommt häufig zu einem sozialen Rückzug. Das Verhalten dient unter anderem der Flucht vor Problemen oder negativen Emotionen. Die Betroffenen verspüren einen starken Leidensdruck aufgrund der Sucht und deren Folgen. Bei der Bekämpfung der Sucht kommt es zu entzugsähnlichen Symptomen.

Symptome einer Glücksspielsucht
Um die aufgezählten allgemeinen Symptome zu veranschaulichen, werden die Symptome einer Glücksspielsucht dargestellt. Betroffene einer Glücksspielsucht erleben ein starkes Verlangen nach dem Glücksspiel. Ihre Gedanken sowie ihr Verhalten drehen sich zunehmen um das Glücksspiel. Die Sucht führt zu Verlust von Zeit sowie finanziellen Einbussen. Es kann bis zum finanziellen Ruin kommen. Dies wiederum führt zu sozialen Schwierigkeiten. Betroffene lügen ihr Umfeld häufig an, um die Spielsucht sowie allfällige Schulden zu verheimlichen. Dies führt zu interpersonellen Konflikten, die wiederum den sozialen Rückzug durch die Betroffenen begünstigen.

Die erlebte Belohnung durch den Gewinn nimmt immer mehr ab. Der Gewinn muss immer grösser werden, um die Betroffenen zu befriedigen. Weiter führt die Glücksspielsucht zu Absenzen bei der Arbeit oder in der Schule. Dadurch entstehen berufliche Konflikte, die wiederum durch das Glücksspiel reguliert werden. Das Verhalten wird ausgeführt, um negative Emotionen zu regulieren. Da das Verhalten selbst Situationen hervorruft, die negative Emotionen auslösen, entsteht ein negativer Kreislauf. Das Verhalten eskaliert immer weiter und den Betroffenen scheint es unmöglich, aus dem Kreislauf auszusteigen. Betroffene reagieren unruhig und aggressiv, wenn sie vom Spielen abgehalten werden. Der Gewinn wirkt wie ein High, die Betroffenen möchten weiterspielen und weitere Gewinne erzielen. Zuletzt leiden die Betroffenen häufig unter starken Schamgefühlen oder gar Selbstmordgedanken aufgrund ihrer Spielsucht.

Die Symptome der aufgeführten Verhaltenssüchte sind den Symptomen der Glücksspielsucht sehr ähnlich. Das Glücksspiel wird entsprechend mit Einkäufen, Onlinespielen oder Medien ersetzt. In jedem Fall ist eine Verhaltenssucht sehr schambehaftet und es fällt den Betroffenen oft schwierig, die Problematik anzusprechen. Es wird viel Aufwand betrieben, um die Sucht möglichst geheim zu halten. Dies führt dazu, dass sich Betroffene isoliert fühlen und immer tiefer in die Sucht kommen, um die negativen Emotionen zu bekämpfen.

Diagnose
Damit eine Verhaltenssucht diagnostiziert werden kann, müssen Betroffene eine Fachperson aufsuchen. Dazu gehört im ersten Schritt sich einzugestehen, dass es ein Problem gibt. In einem zweiten Schritt braucht es die Bereitschaft, die Sucht aufzugeben. Häufig sind es letztendlich negative Konsequenzen des Verhaltens, die Betroffene dazu bewegen, Hilfe zu suchen. Eine Fachperson wird die Verhaltenssucht aufgrund von Gesprächen und Verlaufsbeobachtungen stellen. Es findet ein offener Austausch über das Verhalten und dessen Konsequenzen statt. Es können auch Gespräche mit Angehörigen geführt werden, um die Auswirkungen besser einschätzen zu können.

Teil 2: Entstehung

Teil 3: Behandlung

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